» WRRL-MV » Bestandsaufnahme » Standgewässer

erheblich veränderte/künstliche Standgewässerkörper

Zu dem Begriff der erheblich veränderten und künstlichen Wasserkörper sei auf die Ausführungen in dem Kapitel „erheblich veränderte/künstliche Fließgewässerkörper“ verwiesen.

 

In der Vergangenheit hat der Mensch, kleinräumige Baggerungen ausgenommen, nicht in die natürlichen Tiefenverhältnisse der WRRL-relevanten Standgewässer Mecklenburg-Vorpommerns eingegriffen; auch Menge, Struktur und Substrat des Gewässerbodens sind weitgehend anthropogen unbeeinflusst. Die Standgewässeruferzonen sind in der Regel zwar nicht unbeeinträchtigt, doch auch nicht so stark geschädigt, dass die Uferstruktur größere nachteilige Auswirkungen auf die Bewertung des Zustandes der Standgewässer hätte (siehe das Kapitel „morphologische Standgewässerveränderungen“). Aus diesen Gründen gab es für die mecklenburg-vorpommersche Wasserwirtschaftsverwaltung keinen Anlass, ein WRRL-relevantes Standgewässer in der Bestandsaufnahme vorläufig als erheblich verändert/künstlich auszuweisen.

 

In diesem Zusammenhang ein Hinweis: Die Talsperre Farpen ist nach den Begriffen der Richtlinie 2000/60/EG - der Wasserrahmenrichtlinie - kein künstliches Standgewässer, und sie wäre es selbst dann nicht, wenn sie morphologisch stark degradiert wäre. Als künstliche Gewässer ausgewiesen werden können nur Gewässer, die nach Artikel 2 Nummer 8 der Richtlinie von Menschenhand geschaffen wurden an Stellen, an denen es zuvor keine (natürlichen) Gewässer gab. Die Talsperre Farpen entstand durch den Anstau des Farpener Baches, eines natürlichen Fließgewässers, und stellt somit nach Wasserrahmenrichtlinie ein Fließgewässer dar, das gemäß Artikel 2 Nummer 9 durch „physikalische“ Veränderungen in seinem Wesen erheblich verändert wurde, indem es durch den Anstau Standgewässereigenschaften annahm; die Talsperre Farpen lässt sich also, wenn auch die Anforderungen des Artikels 4 Absatz 3 gegeben sind, nur als ein erheblich verändertes Fließgewässer ausweisen, nicht als künstliches Standgewässer. Da die Talsperre Farpen bei Ausweisung als erheblich verändertes Fließgewässer jedoch Standgewässereigenschaften zeigt, zieht man für die Zwecke der Beschreibung und Zustandseinschätzung gemäß Anhang II Nummer 1.1 v der Richtlinie als „ähnlichste“ Kategorie die Kategorie Standgewässer heran und weist in dieser Kategorie einen Standgewässertyp zu, der den Eigenschaften des erheblich veränderten Fließgewässers am nächsten kommt.

 

nach oben | Seite drucken

 ‹‹ vorheriges Kapitel

Übersicht »