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Die Wasserrahmenrichtlinie fordert, in der Bestandsaufnahme eine erstmalige Beschreibung der Grundwasserkörper vorzunehmen (zur Ausweisung der Grundwasserkörper sei auf das Kapitel „Grundwasserkörperabgrenzung“ verwiesen). Zu der erstmaligen Beschreibung gehört eine Charakteristik der Grundwasserdeckschichten. Aus der Charakteristik der Deckschichten lässt sich eine Aussage zum Geschütztheitsgrad des darunterliegenden Grundwassers ableiten. Wie allgemein die Grundwasserbestandsaufnahme konzentriert sich die Betrachtung der Deckschichten auf den oberen großräumig zusammenhängenden Grundwasserleiter. Für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie ist dieser Grundwasserleiter von herausragender Bedeutung, weil er als oberer Grundwasserleiter als erster etwaigen vom Menschen ausgehenden Belastungen ausgesetzt ist und insofern eine besondere ökologische Bedeutung hat, als er mit grundwasserabhängigen Oberflächengewässern und Landökosystemen in Verbindung stehen kann.

 

Grundlage der Beschreibung der Deckschichten ist im Wesentlichen die Hydrogeologische Übersichtskarte Deutschlands im Maßstab 1 : 200.000 (HÜK 200). Die HÜK 200 basiert auf der Geologischen Übersichtskarte Deutschlands mit gleichen Maßstab (GÜK 200). In der HÜK 200 sind geologische Informationen zur Lithologie (Beschaffenheit), Stratigraphie (Schichtung) und Genese (Entstehungsgeschichte der Gesteine) hydrogeologisch attributiert. Die hydrogeologischen Attribute wurden aus den Angaben der GÜK 200 abgeleitet. Darüber hinaus enthält die HÜK 200 hydrostratigrafische Tabellen für das nord- und mitteldeutsche Lockergestein. Bearbeitet wurden die Attribute "Verfestigung", "Gesteinsart", "Art des Hohlraums", "geochemischer Gesteinstyp" und "Durchlässigkeit" mit den jeweils dazugehörigen Klasseninformationen, zumeist in Anlehnung an die im Jahre 1997 herausgegebene hydrogeologische Kartieranleitung.

 

Ergänzend zur HÜK 200 zieht die mecklenburg-vorpommersche Wasserwirtschaftsverwaltung zur Beschreibung der Deckschichten das Hydrogeologische Kartenwerk der DDR im Maßstab 1 : 50.000 (HK 50), den Bohrdatenspeicher des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie und Ergebnisse lokaler hydrogeologischer Erkundungsberichte heran.

 

Die Charakterisierung der Deckschichten erfolgt in den drei Klassen „günstige Verhältnisse“, „mittlere Verhältnisse“ und „ungünstige Verhältnisse“. Die Klassifizierung stellt auf die Schutzwirkung der Deckschichten ab, die insbesondere von ihrer Durchlässigkeit und Mächtigkeit abhängt. So bezeichnen „günstige Verhältnisse“ eine hohe Schutzwirkung bei geringer Durchlässigkeit und großer Mächtigkeit, „mittlere Verhältnisse“ eine mittlere Schutzwirkung bei mittlerer Durchlässigkeit und Mächtigkeit und „ungünstige Verhältnisse“ eine niedrige Schutzwirkung bei hoher Durchlässigkeit und geringer Mächtigkeit.

 

„Günstige Verhältnisse“ bestehen in Mecklenburg-Vorpommern im Allgemeinen, wenn die Mächtigkeit einer den Grundwasserleiter überlagernden und flächenhaft ausgebildeten geringdurchlässigen Grundmoräne mindestens zehn Meter beträgt. Dies ist entlang eines etwa nordwest-südöstlich verlaufenden Streifens der Pommerschen Haupteisrandlage sowie nordwestlich von Grimmen der Fall. Hier liegen einige Grundwasserkörper, in denen der Anteil dieser Klasse sehr hoch ist (zum Beispiel der Grundwasserkörper Tollense/Penzlin). „Mittlere Verhältnisse“ liegen vor, wenn die Grundmoräne mit Mächtigkeiten zwischen zwei und zehn Metern ausgebildet ist (zum Beispiel der Grundwasserkörper „Peene“). „Ungünstige Verhältnisse“ muss man beim kompletten Fehlen einer bindigen Grundwasserüberdeckung konstatieren. Letzteres ist beispielsweise bei dem mit 800 km2 relativ großen Grundwasserkörper der Elde der Fall.

 

Auf die Fläche Mecklenburg-Vorpommerns bezogen verteilen sich die Deckschichtenverhältnisse wie folgt:

  • günstige Verhältnisse: 37,36 %
  • mittlere Verhältnisse: 14,52 %
  • ungünstige Verhältnissen: 48,12 %

 

Immerhin fast die Hälfte Mecklenburg-Vorpommerns weist somit ungünstige Schutzverhältnisse für den oberen großräumig zusammenhängenden Grundwasserleiter auf. Die Schutzverhältnisse sind in der nachfolgenden Karte dargestellt.

 

Schutzwirkung der Deckschichten des oberen großräumig
zusammenhängenden Grundwasserleiters
in Mecklenburg-Vorpommern.

 
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(pdf, 400kb)

 

Für die einzelnen im Kapitel „Grundwasserkörperabgrenzung“ abgegrenzten Grundwasserkörper ergeben sich folgende Anteile an den Schutzwirkungsklassen (grün: günstig, gelb: mittel, rot: ungünstig).

 

 

Die Einschätzung der Schutzwirkung der Grundwasserdeckschichten hat eine große praktische Bedeutung bei der Bewertung von Emissions- und Immissionsdaten (siehe die Kapitel „punktuelle Grundwasserbelastungen“ und „diffuse Grundwasserbelastungen“) sowie bei der Bestimmung der grundwasserabhängigen Landökosysteme (siehe das Kapitel „grundwasserabhängige Landökosysteme“).

 

 

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