» WRRL-MV » Bestandsaufnahme » Grundwasser » Belastungen

Diese Seite drucken ...punktuelle Belastungen

Nach Ziffer 2.1 des Anhanges II der Richtlinie 2000/60/EG sind in der Bestandsaufnahme Belastungen, denen Grundwasserkörper ausgesetzt sind, zu ermitteln. Als eine der zu erfassenden Belastungen nennt die Richtlinie punktuelle Schadstoffquellen. Punktuelle Einträge von grundwassergefährdenden Stoffen gehen von einzelnen Standorten aus und haben meistens ihre Ursache in Unfällen oder unsachgemäßem Umgang mit den betreffenden Substanzen. Oft sind diese Einwirkungen nur temporär, haben ein überschaubares Ausmaß und können kurzfristig behoben werden.

 

Anders zu betrachten sind Altlasten und altlastverdächtige Flächen im Sinne des Bundesbodenschutzgesetzes sowie Kläranlagen, die ihr gereinigtes Abwasser in den Untergrund einleiten. Sie können eine dauerhafte Belastung des Grundwassers darstellen. Bei Altlasten unterscheidet man nach:

  • Altablagerungen, das sind stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen sowie sonstige Grundstücke, auf denen Abfälle behandelt, gelagert oder abgelagert worden sind, und
  • Altstandorte, das sind Grundstücke stillgelegter Anlagen und sonstige Grundstücke (ausgenommen Anlagen, deren Stillegung einer Genehmigung nach dem Atomgesetz bedarf), auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen, durch die schädliche Bodenveränderungen oder sonstige Gefahren für den einzelnen oder die Allgemeinheit hervorgerufen werden, umgegangen worden ist.

Altlastverdächtige Flächen im Sinne des Bundesbodenschutzgesetzes sind Altablagerungen und Altstandorte, bei denen der Verdacht schädlicher Bodenveränderungen oder sonstiger Gefahren für den einzelnen oder die Allgemeinheit besteht.

 

Bei den Altlasten oder altlastverdächtigen Flächen handelt es sich um Belastungsstandorte meist größeren Ausmaßes mit unter Umständen nicht unerheblichen Stoffeintragsmengen. Solche Belastungsstandorte können etwa stillgelegte Industriestandorte, Gaswerksgelände, Gelände früherer chemischer Reinigungen, ehemalige Militäreinrichtungen und Munitionsfabriken oder einstige Deponien sein. Aus Altlasten oder altlastverdächtigen Flächen kann ein Vielzahl unterschiedlichster grundwassergefährdender Stoffe in den Untergrund gelangen.

 

Im Gegensatz zu dem ungezielten Austrag von Stoffen aus Altlasten und altlastverdächtigen Flächen werden aus Kläranlagen bisweilen gezielt Stoffe mit gereinigtem Abwasser in den Untergrund eingeleitet; diese Stoffe können unter Umständen in das Grundwasser gelangen. Die Einleitung gereinigten Abwassers in den Untergrund ist vergleichsweise selten und muss wie jede Abwassereinleitung behördlich erlaubt werden. Der Regelfall der Abwasserbeseitigung ist die Einleitung gereinigten Abwassers in Fließgewässer, die mit ihrem natürlichen Selbstreinigungsvermögen in gereinigtem Abwasser unvermeidbar noch enthaltene Stoffe abschließend abbauen. Bei der Einleitung gereinigten Abwassers in den Untergrund erhofft man sich von der Bodenpassage einen ähnlichen abschließenden Stoffabbau durch Bodenorganismen. Gereinigtes Abwasser wird oft dann in den Untergrund eingeleitet, wenn ein ausreichend leistungsfähiges Fließgewässer – ein sogenannter Vorfluter – nicht in wirtschaftlich erreichbarer Nähe zum Kläranlagenstandort verläuft. Ein exemplarisches Beispiel ist die Kläranlage Neustrelitz, deren gereinigtes Abwasser auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wird. Eine solche Abwasserbeseitigung erscheint für die Umwelt weniger nachteilig als die Einleitung des Abwassers in einen nicht ausreichend leistungsfähigen Vorfluter oder unmittelbar in einen der um Neustrelitz zahlreich vorhandenen Seen. Manchmal ist eine Abwasserbeseitigung durch Einleitung in den Untergrund auch aus der Vergangenheit überkommen (früher nutzte man diese Art der Abwasserbeseitigung weitaus öfter) und wird heute noch betrieben, weil sie manchen Nutzen bietet. So enthält Abwasser Düngestoffe, die sich in der Landwirtschaft vorteilhaft einsetzen lassen. Ein Beispiel nicht nur notgedrungen, sondern absichtsvoll genutzten Abwassers ist das Abwasser der Zuckerfabrik Güstrow, das auf landwirtschaftlichen Flächen in der Umgebung ausgebracht wird. Aus Kläranlagen können hauptsächlich Nährstoffe wie vor allem Stickstoff in das Grundwasser eingetragen werden.

 

 
In der Bestandsaufnahme wurden bei Altlasten und altlastverdächtigen Flächen diejenigen punktuellen Schadstoffquellen berücksichtigt, für die eine Schadstofffreisetzung nachgewiesen wurde, die zu einem Grundwasserschaden geführt hat, noch führt oder führen kann (erfolgter Eintrag, fortdauernder Eintrag oder prognostizierter Eintrag). Kenntnisse über einen Grundwasserschaden oder eine Grundwassergefahr liegen für Altlasten in der Regel vor, wenn eine Detailuntersuchung gemäß Bundesbodenschutzgesetz durchgeführt worden ist. Es wurden ferner die Fälle erfasst, bei denen sich Erkenntnisse einer Grundwassergefahr bereits in einem früheren Untersuchungsstadium ergaben. Dekontaminierte und gesicherte Altablagerungen und Altstandorte sowie kleinräumige Grundwasserschadensfälle wurden in der Bestandsaufnahme hingegen nicht berücksichtigt. Auch Deponien, Industrieanlagen und Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen, die jeweils nach dem Stand der Technik errichtet wurden und entsprechend betrieben werden, wurden nicht als Punktquellen betrachtet.

 

Die Zuständigkeit zur Umsetzung des Bundesbodenschutzgesetzes regelt in Mecklenburg-Vorpommern die Verordnung über die Zuständigkeit der Abfall- und Bodenschutzbehörden (Abfall- und Bodenschutz-Zuständigkeitsverordnung – AbfBodSchZV, zuletzt geändert am 29. Mai 2004). Danach sind die Landkreise und kreisfreien Städte zuständig für die Erfassung der Altlasten und altlastverdächtigen Flächen. Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie bat daher die Landkreise und kreisfreien Städte, eine Erfassung aller Altlasten und altlastenverdächtigen Flächen für die Zwecke der Bestandsaufnahme durchzuführen. Die Landkreise und kreisfreien Städte gingen nach folgendem Schema vor:

 


 

Auf diese Weise wurden von den Landkreisen und kreisfreien Städten 251 Altlasten und altlastverdächtige Flächen landesweit erfasst. Ihre örtliche Lage gibt die folgende Karte wieder.

 

Altlasten und altlastverdächtige Flächen in
Mecklenburg-Vorpommern (Stand 2004)

- vergrößern -

(pdf, 417kb)

 

Das Erfassungsergebnis wurde den Staatlichen Ämtern für Umwelt und Natur zur weiteren Prüfung übergeben. Den Staatlichen Ämtern obliegt in Mecklenburg-Vorpommern, Sanierungsanordnungen für Altlastflächen zu erteilen, so dass hier sinnvollerweise die folgenden Prüfschritte ausgeführt wurden:

Im Ergebnis der Prüfung wurden von den Staatlichen Ämtern nahe beieinander liegende Teilflächen, von denen eine Grundwassergefahr ausgeht oder ausgehen kann, zu einer Gesamtfläche zusammengefasst und Flächen wegen begonnener und bis 2004 vollzogener Sanierung, wegen Fehlens einer Grundwassergefahr oder der Kleinräumigkeit des vorliegenden Grundwasserschadens ausgesondert. Die Staatlichen Ämter ermittelten so 62 Altlasten oder altlastverdächtige Flächen als punktuelle Schadstoffquellen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Lage dieser punktuellen Schadstoffquellen zeigt die folgende Karte.

 

Altlasten und altlastverdächtige Flächen als
Punktquellen in den Grundwasserkörpern
Mecklenburg-Vorpommerns (Stand 2004)

- vergrößern -

(pdf, 416kb)

 

Bei der Erfassung für die Bestandsaufnahme wurden zu den Altlasten und altlastverdächtigen Flächen unter anderem folgende Daten festgehalten:

  • Bezeichnung der Altlast oder altlastverdächtigen Fläche
  • Rechts- und Hochwert
  • festgestelltes Schadstoffinventar und Beprobungsergebnisse
  • Ausdehnung der Schadstoffahne, falls Erkenntnisse vorliegen
  • Einschätzung der Schutzwirkung der Grundwasserdeckschichten
  • Durchlässigkeit des Grundwasserleiters
  • Jahr des geplanten Sanierungsendes
  • Möglichkeit von Stoffausträgen in andere Gewässer als Grundwasser.

 

Für die ermittelten Punktquellen sind unterschiedliche Schadstoffe und Schadstoffgruppen relevant. Die am häufigsten vorkommenden Schadstoffgruppen sind die aromatischen Kohlenwasserstoffe (Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xyluol [BTEX]), die leichtflüchtigen Chlorkohlenwasserstoffe (LCKW), die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) und die Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW). Darüber hinaus wurden Phenole, Cyanid (CN) und adsorbierbare organische Halogenkohlenwasserstoffe (AOX) festgestellt. Pflanzenschutzmittel (PSM), polychlorierte Biphenyle (PCB), Fluor (F), Chlor (Cl) und der Schwermetalle Arsen (As), Blei (Pb), Cadmium (Cd), Chrom (Cr), Kupfer (Cu) und Zink (Zn) spielen eine untergeordnete Rolle; ebenso selten kommt es zu einem Austrag von Ammonium (NH4) und Sulfat (SO4) an den punktuellen Schadstoffquellen. Die Häufigkeit der festgestellten Schadstoffe und Schadstoffgruppen stellt das folgende Diagramm dar; das Kürzel SM bezeichnet zusammenfassend die Schwermetalle der Punktquellen, zu denen eine differenzierte Auflistung der einzelnen ermittelten Schwermetalle nicht vorlag.

 

 

Erfassung der Altlasten
Neben den 62 Altlasten und altlastverdächtigen Flächen ermittelte die Wasserwirtschaftsverwaltung mit Stand von 2001 als weitere punktuelle Stoffquellen zwanzig Kläranlagen, die ihr Abwasser gezielt in den Untergrund einleiten. 18 Kläranlagen leiten vorwiegend behandeltes häusliches, zwei Kläranlagen nichthäusliches Abwasser ein. Die Lage der Kläranlagen stellt die folgende Karte dar.

 

Einleitstellen von Kläranlagen > 50 EW als
Punktquellen in den Grundwasserkörpern
Mecklenburg-Vorpommerns (Stand 2001)

- vergrößern -

(pdf, 416kb)

 

Als Punktquellen erfasst wurden nur Kläranlagen mit Ausbaugrößen von mehr als fünfzig Einwohnerwerten (EW). Ausführliche Erläuterungen zu den Angaben, die zu solchen Kläranlagen in der Bestandsaufnahme erhoben wurden, und zu dem Stand der Kläranlagentechnik in Mecklenburg-Vorpommern allgemein gibt das Kapitel „punktuelle Fließgewässerbelastungen“. Auf die Belastungen, die von Kläranlagen mit kleineren Ausbaugrößen – den Kleinkläranlagen – zu erwarten sind, geht das Kapitel „diffuse Grundwasserbelastungen“ ein.

 

Erfassung der  Kläranlagen

 

nach oben | Seite drucken

 ‹‹ Übersicht

nächstes Kapitel »