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Wesentlicher Inhalt der Bestandsaufnahme bis zum Ende des Jahres 2004 ist zu beurteilen, ob die Gewässer die Ziele der Richtlinie 2000/60/EG – der EU-Wasserrahmenrichtlinie – erreichen. Diese Beurteilung erfolgt nach Anhang II Nummer 1.5 der Richtlinie im Zuge der Beurteilung der Auswirkungen, die die signifikanten Belastungen auf die Gewässer haben. Denn wie das Kapitel „Fließgewässerauswirkungen > Allgemeines“ erläutert, versteht die Richtlinie unter Auswirkungen zweierlei: zum einen die Empfindlichkeit, mit der Gewässer auf die signifikanten Belastungen reagieren, zum anderen die Wahrscheinlichkeit, mit der Gewässer die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie erreichen oder verfehlen.

 

Den ersten Aspekt der Auswirkungen – die Empfindlichkeit – stellen die Kapitel „biologische Qualitätskomponenten der Fließgewässer“, „hydromorphologische Qualitätskomponenten der Fließgewässer“, „physikalisch-chemische Qualitätskomponenten der Fließgewässer“ und „chemische Qualitätsnormen der EU“ dar. An dieser Stelle soll aufgezeigt werden, wie sich aus der dort beschriebenen Empfindlichkeit der Fließgewässer der zweite Aspekt der Auswirkungen – die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung – ableitet.

 

 
Das Kapitel „Fließgewässerauswirkungen > Allgemeines“ führt aus, welche Schwierigkeiten sich einer praktischen Umsetzung der von der Richtlinie 2000/60/EG geforderten Beurteilung der Auswirkungen stellen. Die Wasserwirtschaftsverwaltung muss notgedrungen nach Provisorien verfahren, um näherungsweise der Forderung der Richtlinie nachzukommen. Dies gilt sowohl für die Beurteilung der Empfindlichkeit wie auch für die Beurteilung der Zielerreichung. Wie das Kapitel „Fließgewässerauswirkungen > Allgemeines“ darlegt, muss die Wasserwirtschaftsverwaltung nicht allein die vorausgesetzten Bewertungsverfahren durch Provisorien – herkömmlich angewandte, teilweise nicht richtlinienkonforme Verfahren – ersetzen, sondern sogar den Gegenstand der Beurteilung selbst: die Zielerreichung. Denn eine Beurteilung der Zielerreichung ist derzeit nicht möglich, weil die Ziele, die die Fließgewässerkörper erreichen sollen, noch gar nicht festgelegt sind und sich auch noch gar nicht festlegen lassen. Deshalb ersetzt die mecklenburg-vorpommersche Wasserwirtschaftsverwaltung die geforderte Beurteilung der Zielerreichung durch eine gegenwärtig annähernd mögliche Beurteilung der Erreichung des guten Zustandes.

 

Der Unterschied zwischen Beurteilung der Zielerreichung und Beurteilung der Erreichung des guten Zustandes liegt darin, dass der gute Zustand lediglich eines der möglichen Ziele ist, deren Festlegung die Richtlinie 2000/60/EG erlaubt. Eine Beurteilung der Erreichung des guten Zustandes, also eines Zustandes, der nur gering vom Naturzustand abweicht, misst alle Fließgewässerkörper demnach an nur einem Ziel, während eine Beurteilung der Zielerreichung alle individuell je nach Umständen festzulegenden Wasserkörperziele im Blick haben müsste. Die Beurteilung der Erreichung des guten Zustandes stellt folglich eine erhebliche, aber unumgängliche Vereinfachung dar. Doch hat diese Vereinfachung einen gravierenden Nachteil: Der gute Zustand ist unter den möglichen Zielen ein sehr anspruchsvolles Ziel, und so fällt das Gesamtbild einer Beurteilung der Erreichung des guten Zustandes notwendig ungünstiger aus als das Gesamtbild einer von der Richtlinie 2000/60/EG geforderten Beurteilung der Zielerreichung. Denn auch Fließgewässerkörper wie zum Beispiel künftig als erheblich verändert oder als künstlich auszuweisende Fließgewässerkörper, die den guten Zustand nicht zu erreichen brauchen, werden am guten Zustand gemessen und können diese Prüfung selbstverständlich nicht bestehen. Bei einer Prüfung der Zielerreichung würden diese Wasserkörper lediglich an dem ihnen individuell zugeordneten geringerwertigen Ziel des guten ökologischen Potenzials gemessen, und damit wäre die Wahrscheinlichkeit einer Zielerreichung weitaus höher.

 

Die Richtlinie 2000/60/EG fordert in der Bestandsaufnahme lediglich, die Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, mit der die Fließgewässerkörper die Ziele erreichen. Sie fordert nicht, dass die Wasserwirtschaftsverwaltung bereits den genauen Zustand der Fließgewässerkörper nach dem fünfstufigen Klassifikationssystem der Richtlinie bestimmt. Dies wäre wegen der noch nicht zur Verfügung stehenden richtlinienkonformen Bewertungsverfahren auch unmöglich. Da die Wasserwirtschaftsverwaltung aus praktischen Erwägungen nicht die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung, sondern die Wahrscheinlichkeit der Erreichung des guten Zustandes untersucht, teilt sie die Fließgewässerkörper in der Bestandsaufnahme in zwei Klassen ein: die Klasse der Fließgewässerkörper, die wahrscheinlich mindestens den guten Zustand erreichen, und die Klasse der Fließgewässerkörper, die wahrscheinlich keinen guten Zustand erreichen.

 

Die Wahrscheinlichkeit der Erreichung des guten Zustandes leitet sich unmittelbar aus der in den Kapiteln „biologische Qualitätskomponenten der Fließgewässer“, „hydromorphologische Qualitätskomponenten der Fließgewässer“, „physikalisch-chemische Qualitätskomponenten der Fließgewässer“ und „chemische Qualitätsnormen der EU“ dargestellten Empfindlichkeit ab, mit der die Wasserkörper auf die signifikanten Belastungen reagieren. Die genannten Kapitel fassen die Empfindlichkeit als eine Art Zeigerausschlag auf den Skalen der Güteklassifizierungen auf, mit denen man herkömmlicherweise die Beschaffenheit der Fließgewässer in Mecklenburg-Vorpommern beschreibt. Die Frage der Erreichung des guten Zustandes knüpft sich nun ebenfalls an diese Skalen. So werden in der Bestandsaufnahme für jede Qualitätskomponente des ökologischen Zustandes Schwellenwerte der Güteklassifizierungen festgelegt, die die Grenze zwischen einer wahrscheinlich mindestens dem guten Zustand entsprechenden Qualitätskomponente und einer wahrscheinlich nicht dem guten Zustand entsprechenden Qualitätskomponente bezeichnen sollen.

 

Bei der Festlegung dieser Schwellenwerte ist zu beachten, dass die Richtlinie 2000/60/EG den Qualitätskomponenten ein unterschiedliches Gewicht beilegt. Nach Anhang V Nummer 1.1 der Richtlinie sind die biologischen Qualitätskomponenten die für die Einstufung des ökologischen Zustandes maßgeblichen Qualitätskomponenten; dagegen werden die hydromorphologischen Qualitätskomponenten und die physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten lediglich zur Unterstützung der biologischen Qualitätskomponenten betrachtet.

 

Auch bei der provisorischen Beurteilung in der Bestandsaufnahme sollen die biologischen Qualitätskomponenten maßgebend sein. Gemäß dem Kapitel „biologische Qualitätskomponenten der Fließgewässer“ beschreiben die Güteklassifikationen nach dem Standorttypieindex und dem Saprobienindex in Mecklenburg-Vorpommern näherungsweise die biologischen Qualitätskomponenten. Als Schwellenwert, der darüber entscheidet, ob die biologischen Qualitätskomponenten einem guten Zustand entsprechen oder nicht, legt die mecklenburg-vorpommersche Wasserwirtschaftsverwaltung die Güteklasse 2 (Standorttypieindex für Trichopteren und für Makrophyten) und die Güteklasse II (Saprobienindex) fest. Die Güteklasse II des Saprobienindexes war das vorrangige gewässerschutzpolitische Ziel der Bundesrepublik Deutschland bis zum Erlass der Richtlinie 2000/60/EG. Die Wasserwirtschaftsverwaltung setzt dieses gewässerschutzpolitische Ziel in der Bestandsaufnahme vereinfachend einer biologischen Qualitätskomponente gleich, die gemäß Richtlinie 2000/60/EG einem guten Zustand entspricht. Es handelt sich dabei um eine provisorische Annahme; ob die Annahme gerechtfertigt ist, wird sich erst klären lassen, wenn die richtlinienkonformen Bewertungsverfahren entwickelt und angewandt worden sind. In gleicher Weise nimmt die Wasserwirtschaftsverwaltung von den Güteklassen 2 des Standorttypieindexes für Trichopteren und für Makrophyten an, dass sie näherungsweise den biologischen Qualitätskomponenten eines guten Zustandes entsprechen.

 

Zielerreichung versus guter Zustand
Überschreitet entweder der Standorttypieindex für Trichopteren oder der Standorttypieindex für Makrophyten die Güteklasse 2 oder der Saprobienindex die Güteklasse II, erfüllt der Fließgewässerkörper nach den für die Bestandsaufnahme getroffenen Annahmen grundsätzlich nicht die Anforderungen an die biologischen Qualitätskomponenten eines wahrscheinlich guten Zustandes. Dies gilt selbst dann, wenn in einem Gewässer mehr als nur einer der genannten Indizes ermittelt wurde und bloß einer dieser Indizes die genannten Bedingungen verletzt. Damit kommt bereits in der Bestandsaufnahme ein Grundsatz zum Tragen, der für die Gewässerbewertung nach Wasserrahmenrichtlinie bestimmend ist: das Pessimismusprinzip.

 

Die Gewässerbewertung nach Wasserrahmenrichtlinie setzt sich aus Teilbewertungen verschiedener Ebenen zusammen. So beurteilt man auf der unteren Ebene zunächst die verschiedenen Qualitätskomponenten und leitet aus ihnen auf der nächsthöheren Ebene den ökologischen Zustand her. Der ökologische Zustand und der gesondert beurteilte chemische Zustand ergeben auf der obersten Ebene dann zusammen den Zustand des Fließgewässerkörpers. Um aus den Teilbewertungen der verschiedenen Ebenen eine Gesamtbewertung herzuleiten, wären unterschiedliche Möglichkeiten denkbar. Die einfachste wäre das Mittelwertprinzip; der Mittelwert der Teilbewertungen ergäbe die Gesamtbewertung. Die Wasserrahmenrichtlinie verfährt jedoch nicht nach dem Mittelwertprinzip, und zwar auf keiner ihrer Bewertungsebenen. Nach Artikel 2 Nummer 17 der Richtlinie 2000/60/EG ermittelt sich der Zustand eines Gewässers auf der Grundlage des jeweils schlechteren Wertes für den ökologischen und den chemischen Zustand. Es gilt also nicht der Mittelwert beider Zustände, sondern der schlechteste (oder, weil es nur um zwei Werte geht: der schlechtere) Wert bestimmt die Gesamtbewertung des Gewässers. Dieser Grundsatz, nach dem das Ergebnis einer Gesamtbewertung von dem schlechtesten Ergebnis der Teilbewertungen, aus denen sich die Gesamtbewertung zusammensetzt, abhängt, wird im Folgenden Pessimismusprinzip genannt.

 

Das Pessimismusprinzip herrscht nicht nur im Verhältnis von ökologischem und chemischem Zustand, sondern ebenso im Verhältnis der maßgebenden Qualitätskomponenten. Nach Anhang V Nummer 1.2.1 der Richtlinie 2000/60/EG muss jede biologische Qualitätskomponente – Phytoplankton, Makrophyten und Phytobenthos, benthische Wirbellosenfauna und Fischfauna – jeweils für sich die Anforderung erfüllen, dass ihre Artengruppen in Zusammensetzung und Abundanz beispielsweise nur geringfügig von typspezifischen Gemeinschaften, die den sehr guten Zustand beschreiben, abweichen, damit sich ein guter Zustand des Fließgewässerkörpers konstatieren lässt. Dies trifft entsprechend ebenso auf den sehr guten, den mäßigen usw. Zustand zu. Wenn aber alle Teilbewertungen einen bestimmten Schwellenwert – zum Beispiel die geringfügige Abweichung – einhalten müssen, damit sich eine den Teilbewertungen entsprechende Gesamtbewertung ergibt, bedeutet dies nichts anderes, als dass auch unter den maßgebenden biologischen Qualitätskomponenten das Pessimismusprinzip gilt.

 

Nicht anzuwenden ist das Pessimismusprinzip dagegen auf die hydromorphologischen und physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten, weil sie nach der Richtlinie 2000/60/EG die biologischen Qualitätskomponenten bei der Zustandseinstufung nur „unterstützen“. Was Unterstützung konkret bedeuten soll, bleibt in der Richtlinie freilich unklar; in Anhang V Nummer 1.2.1 heißt es sinngemäß, dass diese Qualitätskomponenten Werte zeigen müssen, die die Einhaltung der jeweils für den guten, mäßigen usw. Zustand erforderlichen Werte der biologischen Qualitätskomponenten gewährleisten. Findet man aber dem guten, mäßigen usw. Zustand entsprechende biologische Qualitätskomponenten vor, so ist ja damit per definitionem gegeben, dass die hydromorphologischen und physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten den mit den biologischen Qualitätskomponenten festgestellten Zustand gewährleisten, und es fragt sich, wozu man bei der Zustandseinstufung noch eigens die hydromorphologischen und physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten zur Unterstützung der biologischen bestimmen sollte. Die „unterstützenden“ Qualitätskomponenten dienen also tatsächlich weniger der Zustandseinstufung als der Beschreibung spezifischer Belastungsverhältnisse sowie der Ursachenforschung im Falle, dass die biologischen Qualitätskomponenten den beispielsweise zu erreichenden guten Zustand nicht anzeigen und man die Gründe hierfür ermitteln will.

 

In diesem Zusammenhang muss auf einen Widerspruch der Richtlinie 2000/60/EG hingewiesen werden. Nach Anhang V Nummer 1.1.1 unterstützen die physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten, zu denen die spezifischen synthetischen und nichtsynthetischen Schadstoffe gehören, lediglich die Bewertung des Zustandes durch die maßgebenden biologischen Qualitätskomponenten. Gemäß Nummer 1.2.1 hingegen ist das Erreichen zumindest des sehr guten und des guten Zustandes daran gebunden, dass die spezifischen Schadstoffe Grenzwerte – Nachweisgrenzen oder Umweltqualitätsnormen – nicht überschreiten. Nach Nummer 1.2.1 wirken die spezifischen Schadstoffe folglich durchaus nicht nur unterstützend, sondern sind hinsichtlich des sehr guten und guten Zustandes faktisch ebenso maßgeblich wie die biologischen Qualitätskomponenten. Nach dem Pessimismusprinzip kann somit die Überschreitung nur eines Grenzwertes der „unterstützenden“ spezifischen Schadstoffe dazu führen, dass ein Gewässer den guten Zustand verfehlt, selbst wenn die biologischen Qualitätskomponenten einem guten Zustand entsprechen.

 

Die physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten muss man bei der Bewertung daher in zwei Gruppen unterteilen: die allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten, zu denen vor allem Anforderungen an die Sauerstoff- und Nährstoffverhältnisse gehören und die nur unterstützend neben den biologischen Qualitätskomponenten zu betrachten sind, sowie die spezifischen chemischen Qualitätskomponenten, die Anforderungen an spezifische synthetische und nichtsynthetische Schadstoffe beinhalten und denen hinsichtlich des Erreichens des sehr guten und guten Zustandes eine ähnlich maßgebliche Bedeutung zukommt wie den biologischen Qualitätskomponenten.

 

Diese spezifischen chemischen Qualitätskomponenten sind nicht zu verwechseln mit dem chemischen Zustand. Zwar definiert auch der chemische Zustand Anforderungen an spezifische Schadstoffe, doch legt diese Anforderungen die EU fest, während über die Anforderungen der spezifischen chemischen Qualitätskomponenten die Mitgliedstaaten bzw. in Deutschland die Bundesländer entscheiden. Für welche Schadstoffe die chemischen Qualitätskomponenten und für welche der chemische Zustand Anforderungen stellt, führen die Kapitel „physikalisch-chemische Qualitätskomponenten der Fließgewässer“ und „chemische Qualitätsnormen der EU“ im Einzelnen auf.

 

Pessimismusprinzip
Die maßgebliche Bedeutung, die ihnen die Richtlinie 2000/60/EG in Anhang V Nummer 1.2.1 beimisst, sollen die spezifischen chemischen Qualitätskomponenten auch in der Bestandsaufnahme und damit bei der Frage haben, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Gewässer den guten Zustand erreicht. Dagegen wird das, was die Richtlinie „Unterstützung“ durch die hydromorphologischen und die allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten nennt, bei der Bestandsaufnahme in etwas andere Richtung gewendet. Es handelt sich wiederum um ein Provisorium, zu dem die Umstände der Bestandsaufnahme zwingen. Zum einen sind die Verfahren, die die maßgebenden biologischen Qualitätskomponenten in der Bestandsaufnahme wiedergeben sollen, nicht richtlinienkonform; zum anderen liegen nicht hinreichend Daten vor, um alle Fließgewässerkörper bezüglich der maßgebenden biologischen Qualitätskomponenten zu beschreiben. Unterstützend sollen die hydromorphologischen und allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten in der Bestandsaufnahme deshalb insofern wirken, als sie die Werte der biologischen Qualitätskomponenten erstens korrigieren, wo sich eine zu große Diskrepanz zwischen biologischen auf der einen und hydromorphologischen/allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten auf der anderen Seite auftun sollte, und zweitens ergänzen, wo Werte der biologischen Qualitätskomponenten fehlen. Die hydromorphologischen und allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten gehen in der Bestandsaufnahme nach folgender Maßgabe korrigierend in die Bewertung des Zustandes ein:
  • Beträgt die Bewertung der biologischen Qualitätskomponenten Güteklasse 2 (Standorttypieindex) oder II (Saprobienindex) oder besser, wird der ökologische Zustand gleichwohl als wahrscheinlich nicht gut eingeschätzt, wenn zugleich die hydromorphologischen Qualitätskomponenten mit Güteklasse V oder schlechter bewertet sind. Nach dem Kapitel „hydromorphologische Qualitätskomponenten der Fließgewässer“ werden die hydromorphologischen Qualitätskomponenten von der Fließgewässerstrukturgüte wiedergegeben.
  • Beträgt die Bewertung der biologischen Qualitätskomponenten Güteklasse 2 (Standorttypieindex) oder II (Saprobienindex) oder besser, wird der ökologische Zustand gleichwohl als wahrscheinlich nicht gut eingeschätzt, wenn zugleich die allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten nach MV-Richtlinie mit Güteklasse 4 und schlechter und die chemischen Güteklassifikationen für Orthophosphat-Phosphor (PO4-P), Ammonium-Stickstoff (NH4-N) und Nitrat-Stickstoff (NO3-N) mit Güteklasse III oder schlechter bewertet sind. Nach dem Kapitel „physikalisch-chemische Qualitätskomponenten der Fließgewässer“ werden die allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten näherungsweise von der Klassifikation nach MV-Richtlinie und den Güteklassifikationen für Orthophosphat-Phosphor, Ammonium-Stickstoff und Nitrat-Stickstoff wiedergegeben.

 

In der folgenden Tabelle sind die Anforderungen zusammengefasst, die ein Gewässer nach dem Vorstehenden erfüllen muss, um in der Bestandsaufnahme einen wahrscheinlich mindestens guten Zustand konstatiert zu bekommen. Ist eine Bedingung verletzt, wird der Zustand nach dem Pessimismusprinzip bzw. der korrigierenden Wirkung der unterstützenden Qualitätskomponenten als wahrscheinlich nicht gut eingeschätzt.

 

Bewertungskriterien des ökologischen Zustandes
bei Vorliegen von Daten zu biologischen
Qualitätskomponenten


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Doch korrigieren die hydromorphologischen und allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten in der Bestandsaufnahme nicht nur, sie ergänzen auch die biologischen Qualitätskomponenten, indem sie sie dort ersetzen, wo aus der Gewässerüberwachung keine Daten zu biologischen Qualitätskomponenten vorliegen. Die Daten der Gewässerüberwachung sind im strengen Sinne repräsentativ nur für die Messstelle und den Gewässerbereich, der sich in unmittelbarer räumlicher Nähe zur Messstelle befindet. Die bisherige Gewässerüberwachung gibt nicht hinreichend Daten an die Hand, um alle Gewässerbereiche mit Hilfe von Überwachungsdaten hinsichtlich ihrer Qualitätskomponenten zu beschreiben. Zwar führt die Wasserwirtschaftsverwaltung im Zuge der Bestandsaufnahme zusätzliche Untersuchungen durch, die bestehenden – und in Anbetracht des finanziellen Aufwandes wohl auch zukünftig unvermeidbaren – Überwachungslücken lassen sich jedoch nicht schließen. Daher ist es erforderlich, dass die Wasserwirtschaftsverwaltung Einschätzungen der Qualitätskomponenten auf längere Gewässerstrecken extrapoliert oder durch Analogieschlüsse auf abliegende Gewässerbereiche überträgt, indem sie Gewässerbereiche, zu denen nur Belastungsdaten vorliegen, mit Gewässerbereichen vergleicht, zu denen Belastungs- und Gewässerüberwachungsdaten vorliegen. Bei der Extrapolation und den Analogieschlüssen werden gleicher Gewässertyp, ähnliche Belastungsverhältnisse und ähnliche Abflussverhältnisse vorausgesetzt. Sehr zurückhaltend muss die Wasserwirtschaftsverwaltung jedoch gerade Einschätzungen der biologischen Qualitätskomponenten extrapolieren oder übertragen, weil biologische Bewertungen gegenwärtig nicht ohne weiteres mit Belastungen zu korrelieren sind. In der Bestandsaufnahme lassen sich daher die biologischen Qualitätskomponenten nicht aller Gewässerbereiche einschätzen.

 

Für alle Gewässerbereiche liegen jedoch hinreichend andere, zum Teil extrapolierte Überwachungsdaten vor. Da die verschiedenen Qualitätskomponenten, die den ökologischen Zustand ausmachen, vielfach einander beeinflussen, ist es teilweise möglich, ohne Daten der biologischen Qualitätskomponenten eine Einschätzung zu treffen, ob ein Gewässer den guten ökologischen Zustand wahrscheinlich erreicht oder nicht. So beeinflussen beispielsweise die hydromorphologischen Qualitätskomponenten unmittelbar die biologischen Qualitätskomponenten. Für ein Fließgewässer, das in eine die hydromorphologischen Qualitätskomponenten beschreibende Gewässerstrukturgüteklasse V „stark verändert“ eingestuft ist, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit annehmen, dass in ihm keine Biozönose vorzufinden ist, die einem guten ökologischen Zustand entspräche. Angesichts der in Mecklenburg-Vorpommern festzustellenden Fließgewässerstruktur lässt sich so in der Bestandsaufnahme der wahrscheinliche Zustand einer großen Zahl von Gewässerbereichen der Flussgebietseinheit allein mit der zu allen WRRL-relevanten Fließgewässern ermittelten Strukturgüte einschätzen. Da aber eine Einschätzung des Zustandes allein auf der Grundlage der Qualitätskomponenten, die die Richtlinie 2000/60/EG eigentlich nur als unterstützend betrachtet, sich recht weit von den Anforderungen entfernt, legt die Wasserwirtschaftsverwaltung bei einer solchen Einschätzung an die hydromorphologischen und allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten strengere Maßstäbe an, als wenn Daten zu biologischen Qualitätskomponenten vorlägen; damit ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Wasserwirtschaftsverwaltung mit ihrer Einschätzung auf der sicheren Seite liegt, und das heißt hier: im Zweifel das Gewässer schlechter einschätzt, als es womöglich ist.

 

In der folgenden Tabelle sind die Anforderungen zusammengefasst, die ein Fließgewässerkörper im Falle, dass keine Daten zu biologischen Qualitätskomponenten vorliegen, erfüllen muss, um in der Bestandsaufnahme einen wahrscheinlich mindestens guten Zustand konstatiert zu bekommen. Gegenüber den Kriterien, die für eine rein korrigierende Wirkung der hydromorphologischen und allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten gelten, werden die Anforderungen durchweg um eine Güteklasse verschärft. Ist nur eine der aufgeführten Bedingungen verletzt, wird der Zustand des Fließgewässerkörpers als wahrscheinlich nicht gut eingeschätzt.

 

Bewertungskriterien des ökologischen Zustandes
bei fehlenden Daten zu biologischen Qualitätskomponenten


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In der Bestandsaufnahme ermittelte die Wasserwirtschaftsverwaltung die im Folgenden als Gütebänder dargestellten Bewertungen der verschiedenen Qualitätskomponenten und Zustände der Fließgewässerkörper. In den Karten steht ein grünes Güteband für „wahrscheinlich mindestens dem guten Zustand entsprechend“ bei Qualitätskomponenten und für „wahrscheinlich mindestens guter (ökologischer) Zustand“ bei ökologischem Zustand und (Gesamt-)Zustand, ein orangefarbenes Güteband für „wahrscheinlich keinem guten Zustand entsprechend“ bei Qualitätskomponenten und für „wahrscheinlich kein guter (ökologischer) Zustand“ bei ökologischem Zustand und (Gesamt-)Zustand. Wann eine Qualitätskomponente als „wahrscheinlich mindestens dem guten Zustand entsprechend“ oder als „wahrscheinlich keinem guten Zustand entsprechend“ einzustufen ist, richtet sich nach den oben aufgeführten Bewertungstabellen.

 

Bewertungskriterien
Die biologischen Qualitätskomponenten lassen sich in der Bestandsaufnahme, selbst mit Extrapolation und Analogieschlüssen, nur für 211 der 778 Fließgewässerkörper Mecklenburg-Vorpommerns beschreiben; dies entspricht einem Anteil von 27 %. Die 211 Fließgewässerkörper erstrecken sich über eine Länge von rund 2.600 km, was einem Anteil von 33 % der WRRL-relevanten Fließgewässerstrecke ausmacht. Von den 211 Fließgewässerkörpern erfüllen 89 (42 %) mit einer Gesamtlänge von rund 1.100 km (42 %) die Anforderungen, die an die biologischen Qualitätskomponenten des wahrscheinlich mindestens guten Zustandes gestellt sind.

 

Einstufung der biologischen Qualitäts-
komponenten der Fließgewässerkörper
in Mecklenburg-Vorpommern


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biologische Qualitätskomponenten
Die hydromorphologischen Qualitätskomponenten lassen sich für 774 der 778 Fließgewässerkörper Mecklenburg-Vorpommerns beschreiben. Die 774 Fließgewässerkörper erstrecken sich über eine Länge von rund 7.800 km. Von den 774 Fließgewässerkörpern erfüllen 194 (25 %) mit einer Gesamtlänge von rund 2.100 km (26 %) die Anforderungen, die an die hydromorphologischen Qualitätskomponenten des wahrscheinlich mindestens guten Zustandes gestellt sind.

 

Einstufung der hydromorphologischen
Qualitätskomponenten der Fließgewässer-
körper in Mecklenburg-Vorpommern


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hydromorphologische Qualitätskomponenten
Die allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten lassen sich in der Bestandsaufnahme, selbst mit Extrapolation und Analogieschlüssen, nur für 337 der 778 Fließgewässerkörper Mecklenburg-Vorpommerns beschreiben; dies ist ein Anteil von 43 %. Die 337 Fließgewässerkörper erstrecken sich über eine Länge von rund 3.700 km, was einem Anteil von 47 % der WRRL-relevanten Fließgewässerstrecke entspricht. Von den 337 Fließgewässerkörpern erfüllen 100 (30 %) mit einer Gesamtlänge von rund 1.100 km (30 %) die Anforderungen, die an die allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten des wahrscheinlich mindestens guten Zustandes gestellt sind.

 

Einstufung der allgemeinen physikalisch-
chemischen Qualitätskomponenten der Fließ-
gewässerkörper in Mecklenburg-Vorpommern


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allgemeine physikalisch-chemische Qualitätskomponenten

Die Datengrundlage der spezifischen chemischen Qualitätskomponenten und des chemischen Zustandes erlaubt nur eine eingeschränkte Ausbildung von Gütebändern. Die nur rund vierzig Messstellen des Gütemessnetzes, an denen in Mecklenburg-Vorpommern bisher die chemischen Parameter bestimmt werden, die die spezifischen chemischen Qualitätskomponenten und den chemischen Zustand ausmachen, bieten zwar einen repräsentativen Überblick über die Beschaffenheit des gesamten Fließgewässernetzes, sie lassen jedoch kaum eine Aussage zu konkreten Wasserkörpern zu, ausgenommen zu denen, die in unmittelbarer Nähe zu den Messstellen liegen. Insofern die Messstellen repräsentativ sind, wird man für den Großteil der mecklenburg-vorpommerschen Fließgewässerkörper annehmen dürfen, dass sie wie der Großteil der Messstellen die Anforderungen der spezifischen chemischen Qualitätskomponenten und des chemischen Zustandes erfüllen (siehe auch die Kapitel „physikalisch-chemische Qualitätskomponenten der Fließgewässer“ und „chemische Qualitätsnormen der EU“), nur lässt sich diese allgemeine Aussage ohne Untersuchungen für den einzelnen Wasserkörper nicht konkretisieren. Wegen der geringen Datengrundlage scheidet eine Extrapolation von Ergebnissen von nur vierzig Messstellen auf einen größeren Teil des rund 7.800 km umfassenden WRRL-relevanten Fließgewässernetzes aus. Sie scheidet freilich auch wegen der Natur der Belastungen aus: An den meisten der wenigen Messstellen, an denen die Anforderungen der spezifischen chemischen Qualitätskomponenten des guten ökologischen Zustandes und des chemischen Zustandes nicht erfüllt werden, rühren die erhöhten Messwerte offensichtlich von keinen eindeutig und dauerhaft lokalisierbaren Belastungsquellen her, sondern sind wahrscheinlich auf fakultative diffuse Einträge von Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft zurückzuführen. Solcherart fakultative Belastungen lassen sich mit ihren Auswirkungen jedoch kaum extrapolieren oder durch Analogieschlüsse übertragen. In der folgenden Karte der spezifischen chemischen Qualitätskomponenten sind als Stand des Jahres 2001 daher lediglich über diejenigen Fließgewässerkörper Gütebänder ausgebildet, für die die zugeordneten Messstellen eine Überschreitung der Grenzwerte anzeigen. Für die übrigen Fließgewässerkörper ist zu vermuten, dass sie weit überwiegend – wie es das repräsentative Messstellennetz anzeigt – die Grenzwerte einhalten und damit den Anforderungen an die spezifischen chemischen Qualitätskomponenten des guten ökologischen Zustandes und an den chemischen Zustand entsprechen.

 

Einstufung der spezifischen chemischen
Qualitätskomponenten der Fließgewässer-
körper in Mecklenburg-Vorpommern


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Die Wasserwirtschaftsverwaltung ermittelt in der Bestandsaufnahme neun Fließgewässerkörper, in denen die spezifischen chemischen Qualitätskomponenten nicht den Anforderungen des guten Zustandes entsprechen. Hinsichtlich des chemischen Zustandes wird lediglich eine kurze Strecke in der Elde bei Parchim bestimmt, in der die Anforderungen des guten chemischen Zustandes nicht eingehalten werden. Die Strecke ist jedoch so kurz, dass sie weder einen eigenen Fließgewässerkörper ausmacht noch zu einer Abwertung des Fließgewässerkörpers führt, in dem sich die Strecke befindet. Auf eine kartenmäßige Darstellung des chemischen Zustandes an dieser Stelle wird deshalb verzichtet.

 

Mit den Gütebändern der verschiedenen Qualitätskomponenten und des chemischen Zustandes lassen sich die Gütebänder des ökologischen Zustandes und des (Gesamt-)Zustandes nach den oben aufgeführten Bewertungstabellen herleiten. Dabei kommt wie ausgeführt das Pessimismusprinzip zum Tragen. In Fließgewässerkörpern, in denen nur eine der maßgebenden Qualitätskomponenten oder der als korrigierend und ergänzend herangezogenen unterstützenden Qualitätskomponenten die genannten Anforderungen des wahrscheinlich mindestens guten Zustandes verfehlt oder nur ein Grenzwert der spezifischen chemischen Qualitätskomponenten verletzt wird, ist der ökologische Zustand insgesamt wahrscheinlich nicht gut; erfüllen hingegen alle Qualitätskomponenten die Anforderungen, ist der ökologische Zustand der Fließgewässerkörper wahrscheinlich mindestens gut. Denkt man sich die in den vorausgehenden Karten dargestellten Gütebänder der Qualitätskomponenten für jeden Fließgewässerkörper überlagert, ergibt sich damit nach dem Pessimismusprinzip die in der folgenden Karte abgebildete Einschätzung des ökologischen Zustandes der mecklenburg-vorpommerschen Fließgewässerkörper.

 

Einstufung des ökologischen Zustandes
der Fließgewässerkörper in Mecklenburg-
Vorpommern


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Von den 778 Fließgewässerkörpern in Mecklenburg-Vorpommern erfüllen 92 Fließgewässerkörper mit einer Gesamtlänge von rund 800 km die Anforderungen, die in der Bestandsaufnahme an den wahrscheinlich mindestens guten ökologischen Zustand gestellt sind; dies entspricht einem Anteil von 12 % bezogen auf die Zahl der Fließgewässerkörper und von 10 % bezogen auf die Länge des WRRL-relevanten Fließgewässernetzes.

 

Es ist bei der Überlagerung der Gütebänder zu beachten, dass sich für viele Fließgewässerkörper Gütebänder einzelner Qualitätskomponenten mangels Datengrundlage nicht ausbilden lassen. In diesen Fällen bleibt die Qualitätskomponente bei der Überlagerung unberücksichtigt. Vor dem Hintergrund des Pessimismusprinzips bedeutet dies aber, dass das nicht existente Güteband faktisch mit der Bewertung „wahrscheinlich mindestens dem guten Zustand entsprechend“ in die Überlagerung eingeht. Ein solches unbeabsichtigtes „optimistisches“ Element lässt sich in der Bestandsaufnahme nicht vermeiden, will man nicht gänzlich auf eine Bewertung der Fließgewässerkörper verzichten, für die nicht Daten zu allen Qualitätskomponenten vorliegen.

 

Für 769 der 778 Fließgewässerkörper wird bei der Überlagerung der Gütebänder hypothetisch angenommen, dass sie recht wahrscheinlich gemäß den Ergebnissen des repräsentativen Messnetzes den Anforderungen an die spezifischen chemischen Qualitätskomponenten des guten Zustandes genügen. Diese Annahme gilt für den konkreten Fließgewässerkörper natürlich nur bis zum Beweis des Gegenteiles. Bei 150 Fließgewässerkörpern (19 %) leitet sich die Einschätzung des ökologischen Zustandes aus der Überlagerung des hypothetischen Gütebandes der spezifischen chemischen Qualitätskomponenten mit den drei weiteren Arten von Qualitätskomponenten – den biologischen, den hydromorphologischen und den allgemeinen physikalisch-chemischen – her, bei 247 Fließgewässerkörpern (32 %) beruht die Einschätzung auf der Überlagerung der Gütebänder der spezifischen chemischen Qualitätskomponenten und zweier weiterer Arten von Qualitätskomponenten, und bei 377 Fließgewässerkörpern (48 %) ergibt sich die Einschätzung aus der Überlagerung des Gütebandes der spezifischen chemischen Qualitätskomponenten mit dem Güteband nur einer weiteren Art von Qualitätskomponenten, nämlich der hydromorphologischen Qualitätskomponenten, die für praktisch alle Fließgewässerkörper vorliegen.

 

spezifische chemische Qualitätskomponenten und chemischer Zustand
Zur Herleitung des (Gesamt-)Zustandes der Fließgewässerkörper ist abschließend das Güteband des ökologischen Zustandes mit dem Güteband des chemischen Zustandes nach dem Pessimismusprinzip zu überlagern. Hinsichtlich des chemischen Zustandes trifft die Wasserwirtschaftsverwaltung notgedrungen die optimistische Annahme, dass alle 778 Fließgewässerkörper recht wahrscheinlich den Anforderungen an einen guten chemischen Zustand genügen – zumindest lässt das vom Land bisher betriebene repräsentative Messnetz eine grundsätzlich andere Annahme nicht zu, auch gibt es derzeit keinen Anhalt auf Belastungsquellen, die den guten chemischen Zustand gefährden könnten. Damit weisen die 92 Fließgewässerkörper, für die die Wasserwirtschaftsverwaltung einen wahrscheinlich guten ökologischen Zustand konstatiert, gleichzeitig einen wahrscheinlich guten (Gesamt-)Zustand auf; für die übrigen 686 Fließgewässerkörper kann der angenommene gute chemische Zustand wegen des Pessimismusprinzips keine Verbesserung der Zustandsbewertung bewirken. Somit befinden sich nach der Einschätzung der Bestandsaufnahme mit Stand des Jahres 2001 in Mecklenburg-Vorpommern 92 Fließgewässerkörper mit einer Gesamtlänge von rund 800 km in einem wahrscheinlich guten Zustand, dies entspricht einem Anteil von 12 % bezogen auf die Zahl der Fließgewässerkörper und von 10 % bezogen auf die Länge des WRRL-relevanten Fließgewässernetzes. Die übrigen 686 Fließgewässerkörper (88 %) mit einer Gesamtlänge von rund 7.000 km (90 %) erreichen hingegen den guten Zustand wahrscheinlich nicht.

 

Einstufung des Zustandes der Fließ-
gewässerkörper in Mecklenburg-Vorpommern


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Dieses Ergebnis wirkt auf den ersten Blick nicht sehr positiv. Doch ist zu bedenken, dass die Wasserwirtschaftsverwaltung alle Fließgewässerkörper in der Bestandsaufnahme an dem anspruchsvollen Ziel des guten Zustandes misst, einem Ziel also, das eine voraussichtlich signifikante Zahl von Fließgewässerkörpern nicht wird erreichen müssen, weil die Nutzungsumstände die Festlegung weniger anspruchsvoller Ziele gebieten werden.

 

Die Wasserwirtschaftsverwaltung selbst überrascht das Ergebnis der Fließgewässerbestandsaufnahme nicht. Die Fließgewässer Mecklenburg-Vorpommerns unterliegen einer jahrhundertelangen Nutzung durch den Menschen, und es wäre daher verwunderlich gewesen, wenn eine große Anzahl der Fließgewässerkörper heutzutage sich in einem guten Zustand befände, das heißt einem Zustand, der nach Wasserrahmenrichtlinie nur geringfügig vom Naturzustand abweicht. Es ist der weiteren Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Mecklenburg-Vorpommern aufgegeben, mit den Nutzern der Gewässer und den Betroffenen gewässerverbessernder Maßnahmen auszuloten, inwieweit sich die Qualität der Fließgewässer zukünftig erhöhen lässt. Nicht jeden Gewässereingriff der Vergangenheit muss man in der vorhandenen Form aufrechterhalten, um weiterhin Gewässernutzungen zu ermöglichen, und viele Eingriffsmaßnahmen dürften im Laufe der Zeit hinfällig geworden sein, weil der Nutzungszweck, dem sie einst dienten, nicht mehr besteht.

 

Die vorstehenden Ausführungen zur Beurteilung der Wahrscheinlichkeit, mit der die mecklenburg-vorpommerschen Fließgewässerkörper den guten Zustand erreichen, zeigen, dass die Datengrundlage gegenwärtig nicht befriedigend ist. Zwar liegt für alle Fließgewässerkörper eine Einschätzung der hydromorphologischen Qualitätskomponenten vor, denen bei den allgemeinen Belastungsverhältnissen in Mecklenburg-Vorpommern entscheidender Einfluss auf die Gewässerbiozönosen zukommt, doch verlangt die Wasserrahmenrichtlinie, dass die hydromorphologischen Qualitätskomponenten zukünftig als nur unterstützendes Bewertungskriterium betrachtet werden und die Wasserwirtschaftsverwaltung verstärkt die Biozönosen unmittelbar mit den maßgebenden biologischen Qualitätskomponenten erfasst. Dies wird für die Zukunft einen höheren Untersuchungsaufwand erfordern, als ihn das Land bisher getätigt hat.

Zustand

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