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Ein für die deutsche Wasserwirtschaft neuer Ansatz ist die von der Wasserrahmenrichtlinie geforderte ganzheitliche typspezifische Bewertung der Oberflächengewässer. Dieser Ansatz berücksichtigt die Tatsache, dass nicht nur natürliche Unterschiede zwischen den Gewässerkategorien, den Stand­gewässern, den Fließgewässern und den Küstengewässern, bestehen, sondern dass sich auch Gewässer ein und derselben Kategorie unterscheiden. Bei Fließgewässern führen z. B. Unterschiede in der Substratbeschaffenheit, der Fließgeschwindigkeit und den physikochemischen Eigenschaften wie der Temperatur, dem pH-Wert, der Leitfähigkeit usw. zur Ausbildung unterschiedlicher Lebens­gemeinschaften der Gewässerorganismen (Biozönosen). Die Beschaffenheit dieser Lebensgemeinschaften ist der wesentliche Maßstab für die Bewertung des ökologischen Zustandes eines Fließgewässers. Es ist somit wichtig, die Lebensbedingungen der Biozönosen, insbesondere aber die Biozönosen selbst, möglichst genau zu beschreiben.

 

Im Zuge der bis zum Ende des Jahres 2004 abzuschließenden Bestandsaufnahme sind die Wasserkörper in den Fließgewässern daher zu typisieren, d. h. die Wasserkörper sind einem Fließgewässertyp, der die spezifischen Lebensbedingungen der Biozönosen charakterisiert und sich durch eine spezifische Biozönose auszeichnet, zuzuordnen. Dabei beschreibt der Fließgewässertyp den natürlichen Zustand des Wasserkörpers, d. h. in den Begriffen der Wasserrahmenrichtlinie: den sehr guten Zustand, den man dem Naturraum gemäß antreffen müsste, hat der Mensch in den Wasserkörper nicht eingegriffen. Der tatsächliche Zustand des Wasserkörpers wird von diesem natürlichen Zustand oft abweichen.

 

Die Wasserrahmenrichtlinie gibt zwei Verfahren zur Typisierung, die „Systeme“ A und B, vor. Nach System A sollen sich Fließgewässerkörper innerhalb der „Ökoregion“, in der sie liegen – Mecklenburg-Vorpommern gehört zum „zentralen Flachland“ Europas –, typisieren lassen nach ihrer Höhenlage, der Größe des Einzugsgebietes des Fließgewässers, zu dem sie gehören, und der Geologie des Naturraumes, in dem sie sich befinden. Bei System B sind als Unterscheidungsmerkmale wie auch bei System A verpflichtend heranzuziehen die Höhenlage und die Geologie, darüber hinaus die geographische Länge und Breite und die Größe des Fließgewässers. Ferner können wahlweise Merkmale wie die Strömungsenergie, die Durchflussmenge, die Form des Tales, in dem das Gewässer fließt, die Zusammensetzung des Gewässersubstrates oder auch klimatische Größen wie Lufttemperatur und Niederschlag in die Typisierung Eingang finden. In Deutschland wird für die Typisierung weitgehend das System B angewandt, das einen umfassenderen Satz von Unterscheidungsmerkmalen beinhaltet als das System A. Dabei übernimmt die deutsche Typologie zwei Unterscheidungsmerkmale des Systems A: die Ökoregion und die Einzugsgebietsgröße.

 

 
Um für Deutschland ein sinnvollerweise einheitliches Vorgehen bei der Typisierung sicherzustellen, ließen die Bundesländer die Fließgewässertypen für ganz Deutschland über die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) herleiten. In Anlehnung an System A und seine Einzugsgebietsuntergrenze von 10 km² hat die deutsche Typologie ebenfalls Geltung für Wasserkörper in Fließgewässern mit Einzugsgebieten von mindestens 10 km². Jeder der entwickelten LAWA-Typen ist in einem „Steckbrief“ beschrieben.

 

Die LAWA-Fließgewässertypen bilden die Grundlage für die Ausweisung der Fließgewässertypen in Mecklenburg-Vorpommern. Da sie für ganz Deutschland und damit in einem relativ groben Maßstab entwickelt wurden, können sie die kleinräumigen Wechsel unterschiedlicher Typen im Gewässer­längsverlauf, wie sie die vielgestaltigen Fließgewässersysteme der Jungmoränenlandschaft Mecklen­burg-Vorpommerns zeigen, nicht hinreichend genau widerspiegeln. Die Typzuordnung wird aber Einfluss auf das Bewertungsergebnis der Wasserkörper haben, und so erwies es sich als notwendig, eine detailliertere Darstellung der Fließgewässertypen Mecklenburg-Vorpommerns zu erarbeiten, um auf Arbeitsebene die Typabfolge mit hinreichender Genauigkeit (Maßstab 1:25.000) differenzieren zu können. Weiterhin war es erforderlich, die in Mecklenburg-Vorpommern bereits existierenden Typologieansätze mit der LAWA-Typologie abzugleichen und an sie anzupassen.

 

Fließgewässer-typologie der LAWA
Nachdem Mecklenburg-Vorpommern in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts die chemische Wasserqualität der Fließgewässer durch Bau und Erweiterung zahlreicher Kläranlagen erheblich verbessert hatte, wuchs der integrativen, ökologischen Bewertung von Fließgewässern, die über die chemische Wassergüte hinaus z. B. auch die struktuelle Beschaffenheit des Gewässers betrachtet, größere Bedeutung zu. Eine wichtiger Baustein dazu war die landesweite Fließgewässerstrukturgütekartierung, bei der die Fließ­gewässer vorwiegend nach geomorphologischen Gesichtspunkten differenziert wurden. Die mecklenburg-vorpommersche Fließgewässerstrukturgütekartierung unter­scheidet als Fließgewässertypen die vier Grundtypen Kerbtalbach/-fluss (Typ A), Grundmoränenbach/-fluss (Typ B), Niederungsbach/-fluss (Typ C) und Sandbach/-fluss (Typ D). Hinzu kommen Überprägungen dieser Grundformen durch Seeneinfluss (seengeprägte Abschnitte) und natürlichen Rückstau vor Einmündung in größere Gewässer oder in die Ostsee.

 

Für eine ökologisch ausgerichtete Gewässerbewertung reicht jedoch die Strukturgüte als alleiniges Kriterium nicht aus, weil auch bei guter Strukturgüte durchaus andere Bela­stun­gen des Fließgewässers vorliegen können, die den Zustand der Lebensgemeinschaften beein­­trächtigen, ohne dass dies die Strukturgüte erfassen kann. Es waren daher Typologien und Verfahren notwendig, die die Zusammensetzung der Biozönosen und die indikativen Eigenschaften der Organismen stärker berücksichtigen.

 

Für Mecklenburg-Vorpommern wurde eine sehr differenzierte Typologie entwickelt, die sowohl auf hydrogeographischen, geographisch-geologischen als auch biozönotischen Grundlagen basiert und neben zahlreichen Fließgewässertypen auch den Talraum typologisch erfasst. Darüber hinaus wurde bereits 1995 in Mecklenburg-Vorpommern mit der Entwicklung eines bioindikativen Bewertungsverfahrens, dem Standorttypieindex, begonnen. Der Standorttypieindex ermöglicht die typ­spezi­fische Bewertung eines Fließgewässerabschnitts und seines Talraums anhand der Indikator­gruppen Köcherfliegen (Trichopteren), Wasser- und Uferpflanzen (Makrophyten) und Schmetterlinge (Lepidopteren; Indikator für den Zustand des Talraums). Entsprechend dem damaligen Kennt­nisstand konnte die Entwicklung des Verfahrens nur über einen deduktiven Ansatz erfolgen, d. h. ausgehend von der Gesamtheit der bekannten Fließgewässerausprägungen wurden unter pragmatischen Gesichtspunkten Typengruppen, die sogenannten aggregierten Fließ­ge­wäs­ser­typen, abgeleitet. Darauf bezogen wurden fünfstufige Klassifi­ka­tionsskalen für die ökologische Gewässerbewertung erstellt und geeicht. In der nachstehenden Tabelle sind die aggregierten Fließgewässertypen des Standorttypieindexes mit ihren Klassifikationsskalen aufgeführt.

 

Aggregierte Fließgewässertypen Güteklasse1 Güteklasse2 Güteklasse3 Güteklasse4 Güteklasse5
Gruppe der gefällearmen Fließgewässer der Moränenbildungen
1) Gefällearme Fließgewässer der Moränenbildungen >= 12,0 <12,0 aber
>=10,0
<10,0 aber
>= 8,0
<8,0 aber
>=6,0
<6,0
2) Überprägung durch Seenausfluß oder Rückstau ggf. andere Bewertungsskala erforderlich,, noch zu entwickeln
Gruppe der gefällearmen, sandgeprägten
Fließgewässer der Sander u. sandigen Aufschüttungen
1) Typische Fließgewässer d. Sander u. sand. Aufschüttungen, sandgeprägt >= 9,0 <9,0 aber
>= 7,0
<7,0 aber
>= 5,0
<5,0 aber
>= 3,0
<3,0
2) Überprägung durch Seenausfluss oder Rückstau ggf. andere Bewertungsskala erforderlich,, noch zu entwickeln
Gruppe der gefällearmen, organisch oder
teilmineralisch geprägten Fließgewässer der Moorniederungen
1) Typische Niedermoorfließgewässer (organischer Sohlsubstrattyp) >= 4,5 <4,5 aber
>= 3,5
<3,5 aber
>= 2,5
<2,5 aber
>=2,0
<2,0
) Typische Niedermoorfließgewässer (teilmineralischer Sohlsubstrattyp) >= 6,0 <6,0 aber
>= 5,0
<5,0 aber
>= 4,0
<4,0 aber
>= 3,0
<3,0
3) Rückgestaute Niedermoorfließgewässer (organischer und teilmineralischer Sohlsubstrattyp) >= 4,5 <4,5 aber
>= 3,5
<3,5 aber
>= 2,5
<2,5 aber
>=2,0
2,0
4) Seenausflussgeprägte Niedermoorfließgewässer (organischer Sohlsubstrattyp) >= 3,5 <3,5 aber
>= 3,0
<3,0 aber
>= 2,5
<2,5 aber
>=2,0
<2,0

5) Seenausflussgeprägte Niedermoorfließgewässer (teilmineralischer Sohlsubstrattyp)

** >= 4,5 <4,5 aber
>=4,0
<4,0 aber
>= 3,5
<3,5
Gruppe der gefällereichen Fließgewässer der Moränenbildungen
1) Gefällereiche Fließgewässer der Moränenbildungen und "Durchbruchstäler", Sohlsubstrat kiesig/steinig, fest gepackt >= 12* <12 aber
>= ?*
Bewertungsskala noch zu entwickeln
2) Gefällereiche Fließgewässer der Moränenbildungen und "Durchbruchstäler",  Sohlsubstrat feinkörnig, "locker" >= 8* <8 aber
>= ?*
Bewertungsskala noch zu entwickeln
Weitere Überprägungen

1) Rückgestaute Gewässer, z. T. mit Brackwassereinfluss

bei Brackwassereinfluss andere Bewertungsskala erforderlich,,noch zu entwickeln
* ermittelt an Hand sehr kleiner Probenzahl, Wert ist grober Anhaltspunkt und muss noch überprüft werden
** bisher keine Referenz- bzw. Vergleichsabschnittte

 

Die auf diese Weise abgeleiteten aggregierten Fließgewässertypen waren, soweit Bewertungsskalen vorlagen, in den letzten Jahren die Grundlage für die typspezifische Bewertung der ökologischen Fließgewässergüte Mecklenburg-Vorpom­merns, die die allein auf dem Saprobienindex basierende Bewertung der biologischen Gewäs­se­r­­güte ergänzte. Darüber hinaus erscheint der Standorttypieindex auf Grund seiner Typspezifität, der Betrachtung von Gewässerfauna und Gewässerflora (STI-Trichopteren, STI-Makrophyten) und der fünfstufigen Bewertung als ein durchaus vielversprechendes Instrument zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Mecklenburg-Vorpommern.

 

Der Typologie des Standorttypieindexes steht nunmehr jedoch der Entwurf einer gemeinsam mit anderen Bundesländern entwickelten deutschlandweiten LAWA-Fließgewässertypologie auf Basis der Gewässerfauna (Makrozoobenthos) gegenüber. Für die LAWA-Typen werden gegenwärtig Referenzzönosen und Bewertungs­verfahren erarbeitet, die deutschlandweit Anwendung finden sollen und neben der Organismen­gruppe der Köcherfliegen auch andere Taxa berücksichtigen (z. B. Eintagsfliegen, Steinfliegen, Käfer). Daher wurde die Typen­kulisse der aggregierten Fließgewässertypen Mecklenburg-Vorpommerns noch einmal über­prüft, wobei anders als bei der Verfahrens­entwicklung zum Standorttypieindex jetzt auf einen beträchtlichen Satz biozönotischer Daten zu Köcherfliegen und anderen Makrozoobenthosorganismen zurückge­griffen werden konnte. Auf diese Weise wurde die Fließgewässertypologie Mecklenburg-Vorpommerns auch biozönotisch untersetzt, und es konnten Angaben zur Zusammensetzung der typspezifischen Referenzzönosen bzw. Charakterarten­verge­sell­schaftungen abgeleitet werden. Diese Arbeiten waren erforderlich, um die Anwendbarkeit der LAWA-Typologie auf die Verhältnisse in Mecklenburg-Vorpommern zu überprüfen, da die richtige Typzuordnung die spätere Bewertung und damit die ggf. zu treffenden Maßnahmen wesentlich beeinflusst. Ergebnis sind die aus den aggregierten Typen des Standorttypieindexes abgeleiteten sogenannten WRRL-relevanten Fließgewässertypen Mecklenburg-Vorpommerns. Mit den WRRL-relevanten Fließgewässertypen lässt sich ein unmittelbarer Bezug einerseits zu den Typen der Fließgewässerstrukturgütekartierung und andererseits zu den Typen der LAWA herstellen, wie in der folgenden Tabelle gezeigt:

 

FGSK-Typen WRRL-relevante Fließgewässertypen M-V Bewertungsrelevante Ausprägungen LAWA-Typen
A -
Kerbtalbach/-fluss („Endmoränenbach“)
Gefällereiches Fließgewässer der Moränenbildungen und Durchbruchstäler - mit groben, lagestabilen Sohlsubstraten

- mit feinkörnigen, lageinstabilen Sohlsubstraten

- mit bindigen, lagestabilen Sohlsubstraten

16, 17 (kiesgeprägter Bach/Fluss)
B -
Grundmoränenbach/

-fluss

Gefällearmes Fließgewässer der Moränenbildungen - mit groben bis feinkörnigen, lagestabilen Sohlsubstraten

- mit feinkörnigen, lageinstabilen Sohlsubstraten

14, 15 (sandgeprägter Bach und sand-/lehmgeprägter Fluss)
C -
Niederungsbach/-fluss
Typisches gefällearmes Niedermoorfließgewässer - des organischen Substrattypes

- des mineralischen Substrattypes

11, 12 (organischer Bach/Fluss)
D -
Sandbach/-fluss
Gefällearmes Fließgewässer der Sander und sandigen Aufschüttungen - gefällearme Fließgewässer der Sander und sandigen Aufschüttungen 14, 15 (sandgeprägte Bach und sand-/lehmgeprägter Fluss)
E -
Überprägung: Seeausfluss
Seeausflussgeprägtes Fließgewässer - mit organisch/ teilmineralischen Substraten

- mit mineralischen Substraten (?)

21 (seeausflussgeprägtes Fließgewässer)
F -
Überprägung: natürlicher Rückstau
Rückstau- bzw. brackwasser-beeinflusstes Fließgewässer - rückstaubeeinflußt

- mit organisch/ teilmineralischen Substraten

- mit mineralischen Substraten (?)

- brackwasser- und rückstaubeeinflußt

- mit organisch/teilmineralischen oder

- mit mineralischen Substraten (?)

23 (rückstau- bzw. brackwasser-beeinflusster Ostseezufluss)
keine direkte Entsprechung Fließgewässer mit talaue - breites Fließgewässer mit Talaue

- schmaler zulauf in der Talaue des Hauptgewässers

20 (Strom des Tieflandes)

19 (kleines Niederungsfließ-gewässer im fluss- oder Stromtal)

Fließgewässer-typologie Mecklenburg-Vorpommerns
In Anlehnung an die Steckbriefe der LAWA-Typen wurden Steckbriefe erstellt, die die wesentlichen Merkmale der Fließgewässertypen Mecklenburg-Vorpommerns beschreiben und in ein Verhältnis zu den LAWA-Typen setzen. Die WRRL-relevanten Fließgewässertypen Mecklenburg-Vorpommerns kann man den auf die hiesigen Bedingungen angepassten LAWA-Typen relativ unproblematisch zu­ordnen. Die gefällearmen Fließgewässer der Sander und sandigen Aufschüttungen und die gefällearmen Fließgewässer der Moränenbildungen fallen dabei in ihrer jeweiligen Aus­prägung als Bach und Fluss unter den LAWA-Typ 14/15. Diese Zusammenfassung lässt sich biozönotisch begründen, ist doch bei ihnen nicht die Lage in der glazialen Serie, sondern der Sohlsubstrattyp und die Lagestabilität des Interstitials von entscheidender Bedeutung. Der LAWA-Typ 18 (löss-/lehmgeprägte Tieflandbäche) sowie der LAWA-Typ 19 (kleine Niederungs­fließgewässer in Fluss- und Stromtälern) kommen nach derzeitigem Arbeitsstand in Mecklenburg-Vorpommern nicht oder nur sehr kleinräumig vor. Ein Steckbrief von Typ 18 ist daher nicht enthalten. Typ 19 ist in einem Steckbrief beschrieben, wird in der Typenkarte (siehe unten) jedoch durch die LAWA-Typen 11 bzw. 12 (organisch geprägter Bach bzw. Fluss) abgedeckt und ist dort wegen der Kleinräumigkeit des Vorkommens (sehr kurze Fließstrecken, daher zu klein für eine Ausweisung als Wasserkörper) nicht separat ausgewiesen. Der LAWA-Typ 20 (sandgeprägte Ströme) ist  in Mecklenburg-Vorpommerschen nur an der Elbe zu finden.

 

Die Steckbriefe beschreiben die relevanten Merkmale der in Mecklenburg-Vorpommern vorkommenden LAWA-Typen. Bilder von typischen Fließgewässerausprägungen und die Nennung von dazugehörigen Fließstrecken dienen der Illustration der Verhältnisse. Kennzeichnende Elemente der Charakterarten­vergesellschaftungen (lebensraumpräferierende Arten) werden sowohl für die Makrophyten als auch für das Makrozoobenthos in aggregierter Form aufgeführt. Zur Wahrung der fachlichen Exaktheit sind dabei die biozönotischen Fließgewässerausprägungen als Basis ge­nommen worden. Es wird auf die oben genannten vorhandenen Klassifikationsskalen für die ökologische Bewertung hingewiesen.

 

Die Aussagen zur Makrozoobenthos- und Makrophyten- bzw. Phytobenthosgemeinschaft in den Steckbriefen beruhen auf statistischen Auswertungen des Arteninventars naturnaher Fließ­gewässerabschnitte Mecklenburg-Vorpommerns. Sie ermöglichten die Abgliederung biozönotisch relevanter Charakteristika der jeweiligen Ausprägungen und den dazugehörigen Vergesellschaftungen. Die Charakterartenvergesellschaftung eines biozönoti­schen Typs setzt sich aus drei Gruppen zusammen:

  • lebensraumpräferierende Arten (euzön) - Arten, die ausschließlich oder nahezu ausschließlich in bestimmten Zönosen vorkommen (zönobiont) bzw. bestimmte Zönosen bevorzugen, sich in ihnen entwickeln, in ähnlichen aber weniger häufig vertreten sind (zönophil)
  • stete Begleiter (tychozön) - Arten, die sich in mehreren, einander ähnlichen Gemeinschaften optimal entfalten können, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass sie eine dieser Zönosen bevorzugen
  • Ubiquisten und Fremdarten (azön und xenozön) - Arten ohne erkennbare Bindung an eine Gemeinschaft (ubiquitär) oder aus anderen Zönosen stammend (allochthon).

 

In den Steckbriefen der WRRL-relevanten Fließgewässertypen Mecklenburg-Vorpommern sind aus Platzgründen nur die lebensraumpräferierenden Arten aufgeführt.

 

Steckbriefe der Fließ-gewässertypen Mecklenburg-Vorpommerns
Für das WRRL-relevante Fließgewässernetz Mecklenburg-Vorpommerns war eine Überarbeitung der durch die LAWA entwickelten Fließgewässertypen in inhaltlicher und räumlich-konkreter Hinsicht geboten. Wesentliches Kriterium war die Berücksichtigung der im Bundesland auftretenden realen landschafts- und gewässerökologischen Konstellationen, mithin eine regionalspezifische Detaillierung und Konkretisierung. Die Arbeiten stützten sich vor allem auf vorhandene und sachgerecht auswertbare geowissenschaftliche Daten und Informationen. Zudem wurden die vorliegenden Ergebnisse der im Zusammenhang mit der Standorttypieindex-Bestimmung getroffenen Typzuordnungen in Mecklen­burg-Vorpommern sowie die Regionalkenntnisse der am Vorhaben Beteiligten genutzt. Ausgewertet wurden die bodengeologischen Verhältnisse des Landschaftsraumes, das Gefälle des Talbodens, die Auswirkungen des Ostseerückstaus auf der Basis topographischer Karten, die wahrscheinlichen Auswirkungen von Seen auf nachfolgende Fließstrecken auf der Basis der Referenztrophie der Seen sowie der physikalischen Bedingungen der betroffenen Fließstrecken und die Einzugsgebietsstruktur der Flussgebiete.

 

Die Ergebnisse zeigen zum Teil erhebliche Unterschiede zur von der LAWA erarbeiteten Typenkarte für das Land Mecklenburg-Vorpommern. Neben dem methodisch erweiterten Ansatz ist es vor allem die differenziertere Datengrundlage, die zu Unterschieden führt (Basis 1:25.000 statt 1:100.000). So sind auf der vergleichsweise groben geologischen Kartengrundlage der LAWA-Arbeiten viele schmale gewässer­begleitende Niedermoore, die wiederum auf der Maßstabsebene der geologischen Karten Mecklenburg-Vorpommerns konkret ausgewiesen sind, der stärkeren Generalisierung anheim gefallen. Unterschiede in den gewässerstreckenbezogenen Anga­ben ergeben sich auch aus den unterschiedlichen digitalen Fließgewässernetzen.

 

Die folgende Karte „Fließgewässertypen im WRRL-relevanten Fließgewässernetz Mecklenburg-Vorpommerns zeigt die Verteilung der LAWA-Typen auf das WRRL-relevante Fließgewässernetz Mecklenburg-Vorpommerns, wobei vor dem Hintergrund der Wasserkörperausweisung nach WRRL eine Typengeneralisierung durch Aggregation von Fließstrecken erfolgt ist, jeweils bis ein Eigeneinzugsgebiet von ≥ 10 km² für die resultierende Gewässerstrecke erreicht war. Heterogene Streckenabschnitte wurden dabei im Regelfall einheitlich nach dem strecken­bezogen dominierenden LAWA-Typ bezeichnet. Von dieser Generalisierungslinie wurde nur in den wenigen Einzelfällen abgewichen, bei denen subjektives Ermessen zu einer sachgerechteren Generalisierung geführt hat.

LAWA-Fließgewässertypen im WRRL-relevanten
Fließgewässernetz Mecklenburg-Vorpommerns

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Das Balkendiagramm fasst die Verteilung der LAWA-Typen auf das WRRL-relevante Fließgewässernetz graphisch zusammen:

Prozentuale Verteilung der LAWA-Fließ-
gewässertypen auf das WRRL-relevante
Fließgewässernetz Mecklenburg-Vorpommerns

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Der dominierende LAWA-Typ ist der Typ 11 „organisch geprägter Bach“ mit mehr als 30 % Anteil am WRRL-relevanten Fließgewässernetz Mecklenburg-Vorpommerns, gefolgt vom Typ 14 „sandgeprägter Tieflandbach“ mit 26 % und dem Typ 16 „kiesgeprägter Bach“ mit fast 20 %. In Mecklenburg-Vorpommern vorherrschend ist das organisch geprägte Gewässer (Typ 11 und 12) mit insgesamt 45 % Anteil an der WRRL-relevanten Fließgewässerstrecke. Nimmt man den oft ebenfalls organisch geprägten Typ 23 (rückstau- bzw. brackwasserbeeinflusste Ostseezuflüsse) hinzu, wird ein Anteil von rund 50 % erreicht. Dieser hohe Anteil organisch geprägter Gewässer ist darauf zurückzuführen, dass fast 50 % der WRRL-relevanten Fließgewässer durch Täler mit ≤ 1 ‰ Längsgefälle fließen. Die gefällearmen und oft vermoorten Talniederungen sind daher in Mecklenburg-Vorpommern von großer Bedeutung. Deutlich wird auch, dass in Mecklenburg-Vorpommern vor allem kleine Fließgewässer zu finden sind: der Anteil der Bäche (Einzugsgebiet von 10 bis 100 km² nach LAWA-Typologie) beträgt 80 %, der Anteil der kleinen Flüsse (Einzugsgebiet von 100 bis 1.000 km²) 13 %. Als große Flüsse (Einzugsgebiet von 1.000 bis 10.000 km²) sind in Mecklenburg-Vorpommern nur Teilstrecken der Elde, der Warnow, der Peene, der Tollense und der Uecker anzusprechen. Ströme (Einzugsgebiet von mehr als 10.000 km²) sind mit Ausnahme des kleinen Anteils an der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern nicht zu finden.

 

Karte der Fließgewässer-typen Mecklenburg-Vorpommerns

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