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Diese Seite drucken ...punktuelle Belastungen

Die Wasserrahmenrichtlinie verlangt, signifikante punktuelle Fließgewässerbelastungen, die von Siedlungen, Industrie und Gewerbe sowie von der Landwirtschaft oder sonstigen menschlichen Tätigkeiten herrühren, zu ermitteln. Punktuelle Belastungen sind Belastungen, deren Quelle sich örtlich eindeutig bestimmen lässt und bei denen man Stoffe gezielt in Gewässer einleitet oder einbringt. Als klassische punktuelle Belastung von Fließgewässern gilt die Einleitung behandelten Abwassers aus Kläranlagen. Daneben sind aber auch Einleitungen aus Entlastungen von Mischwasserkanalisationen, Einleitungen von Niederschlagswasser aus Trennkanalisationen sowie sonstige Einleitungen wie zum Beispiel von gering belastetem Betriebswasser zu betrachten.

 

Die Wasserwirtschaftsverwaltung Mecklenburg-Vorpommerns versteht alle erlaubnispflichtigen Benutzungen von Fließgewässern wie

  • Einleitungen aus kommunalen Kläranlagen
  • Einleitungen aus industriellen und gewerblichen Kläranlagen
  • Einleitungen durch Entlastungen der Mischwasserkanalisation
  • Einleitungen von Niederschlagswasser aus der Trennkanalisation sowie
  • Einleitungen von Betriebswasser

unabhängig von der Größe der Anlage oder der Art und der Menge der eingeleiteten Stoffe als signifikante punktuelle Belastungen.

 

Ausgenommen von der Ermittlung signifikanter punktueller Fließgewässerbelastungen sind Abwassereinleitungen aus Kleinkläranlagen und Niederschlagswassereinleitungen von wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung. Von wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung sind Einleitungen von gering verschmutztem Niederschlagswasser, das von Einzelgrundstücken stammt. Solche Niederschlagswassereinleitungen werden nicht als signifikante Belastungen angesehen. Kleinkläranlagen, d. h. Kläranlagen, bei denen am Tag weniger als 8 m³ Abwasser anfällt (dies entspricht etwa dem täglichen Abwasser von fünfzig Personen), werden hingegen erfasst, jedoch nicht als punktuelle Belastungen, sondern als „diffuse“. Der Grund hierfür ist, dass Kleinkläranlagen zwar in Fließgewässer einleiten können, die größere Zahl bestehender Kleinkläranlagen ihr Abwasser aber in den Untergrund einleitet (die sogenannte Untergrundverrieselung). Es wäre für die Wasserwirtschaftsverwaltung gegenwärtig ein übermäßiger Aufwand, aus den Unterlagen der Unteren Wasserbehörden für jede Kleinkläranlage zu ermitteln, worein sie ihr Abwasser leitet. Um die Belastung jedoch im Grundsatz nicht zu vernachlässigen, werden Kleinkläranlagen bei der Bestandsaufnahme vereinfacht den diffusen Belastungen zugerechnet. Welche diffuse Belastung von Kleinkläranlagen ausgeht, finden Sie in den Kapiteln „diffuse Fließgewässerbelastungen“ und „diffuse Grundwasserbelastungen“.

 

Grundsätzlich ermittelte die Wasserwirtschaftsverwaltung alle Einleitungen häuslichen, gewerblichen und industriellen Abwassers sowie von Mischwasser, selbst wenn das Abwasser oder Mischwasser in ein nicht WRRL-relevantes Fließgewässer gelangt. Die Selbstreinigungskraft kleinerer Gewässer ist begrenzt, und so können Einleitungen in ein nicht WRRL-relevantes Fließgewässer auf das WRRL-relevante Fließgewässernetz einwirken. Niederschlagswassereinleitungen erfasste die Wasserwirtschaftsverwaltung hingegen nur, wenn sie unmittelbar in WRRL-relevante Fließgewässer erfolgen, da Niederschlagswasser in der Regel – vor allem im Vergleich zu Mischwasser – relativ gering verschmutzt ist.

 

Die Ermittlung signifikanter Belastungen baut auf vorhandenen Datenbeständen wie zum Beispiel dem Wasserbuch des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie und dem Datenstock der Zentralen Stelle für Abwasserabgabe und Wasserentnahmeentgelt auf. Grundlage der Ermittlung ist somit in der Regel der behördliche Erlaubnisbescheid und darüber hinaus bei Kläranlagen die gemäß diesem Erlaubnisbescheid erfolgenden behördlichen Überwachungen und Eigenüberwachungen der Betreiber. Bei Einleitungen aus Kläranlagen legt der Erlaubnisbescheid für Stoffe und Stoffgruppen Überwachungswerte fest, die nach der Abwasserbehandlung maximal im gereinigten Abwasser erreicht werden dürfen.

 

Beim Vergleich der Daten des Wasserbuches und der Zentralen Stelle für Abwasserabgabe und Wasserentnahmeentgelt fiel auf, dass die Angaben beider Datenbestände voneinander abwichen oder unvollständig waren. Im Zuge der Bestandsaufnahme überprüften, berichtigten und ergänzten die Staatlichen Ämter für Umwelt und Natur die Daten in Zusammenarbeit mit den Unteren Wasserbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte und den abwasserbeseitigungspflichtigen Körperschaften. Nunmehr liegt ein vollständiger und bereinigter Datenbestand der signifikanten punktuellen Belastungen der Fließgewässer in Mecklenburg-Vorpommern vor. Bezugsjahr des Datenbestandes ist 2001.

 

 
Zur Einleitung von Abwasser aus Kläranlagen erhob die Wasserwirtschaftsverwaltung unter anderem folgende Angaben bei der Bestandsaufnahme:
  • Name und Betreiber der Kläranlage
  • Art des eingeleiteten Abwassers (häuslich, gewerblich/industriell)
  • Name des Fließgewässers, in das eingeleitet wird
  • Lage der Einleitungsstelle (Hochwert/Rechtswert)
  • Lage der Einleitungsstelle nach behördlicher Erlaubnis (weicht bisweilen von tatsächlicher Einleitungsstelle ab)
  • Ausbaukapazität der Kläranlage
  • tatsächlich angeschlossene Einwohnerwerte (ein Einwohnerwert [EW] gibt den theoretischen Abwasseranfall je einem Einwohner an; in der Regel bezieht man den Abwasseranfall auf die organischen Abwasserinhaltsstoffe, wie sie für häusliches Abwasser typisch sind) und die sich daraus ergebende Auslastung der Kläranlage
  • eingeleitete Abwasser- oder Schmutzwassermenge am Tag und im Jahr sowie
  • Konzentration und Jahresfracht bestimmter eingeleiteter Stoffe oder Stoffgruppen wie CSB (chemischer Sauerstoffbedarf), BSB5 (biologischer Sauerstoffbedarf), NH4-N (Ammoniumstickstoff), NO3-N (Nitratstickstoff), Nges (Stickstoff gesamt, Summe aus Ammonium-, Nitrat- und Nitritstickstoff), Pges (Phosphor gesamt), AOX (adsorbierbare organisch gebundene Halogene) sowie anderer Stoffe, deren Einleitung überwacht wird; dies können je nach Abwasser Chrom, Kupfer, Nickel, Cadmium usw. sein.

 

Im Jahre 2001 gibt es in Mecklenburg-Vorpommern 628 Kläranlagen mit einem Abwasseranfall von jeweils mindestens 8 m³/d; 605 Kläranlagen behandeln vorwiegend häusliches Abwasser und 23 Kläranlagen vorwiegend nichthäusliches, d. h. gewerbliches und industrielles Abwasser. Häusliches Abwasser ist Abwasser, wie es gewöhnlich in Haushalten anfällt. Unter gewerblichem und industriellem Abwasser wird Abwasser verstanden, das in Gewerbe und Industrie entsteht und sich in seiner Zusammensetzung von häuslichem Abwasser unterscheidet.

 

Von den 605 Kläranlagen für vorwiegend häusliches Abwasser fallen 446 Kläranlagen (73,7 %) in die Größenklasse 1 (50 bis 1.000 EW), 84 (13,9 %) in die Größenklasse 2 (> 1.000 bis 5.000 EW), 25 (4,1 %) in die Größenklasse 3 (> 5.000 bis 10.000 EW), 46 (7,7 %) in die Größenklasse 4 (> 10.000 bis 100.000 EW) und 4 (0,7 %) in die Größenklasse 5 (> 100.000 EW). Die vier Kläranlagen mit Ausbaugrößen von über 100.000 EW sind die Kläranlage Neubrandenburg, die Kläranlage Rostock, die Kläranlage Schwerin und die Kläranlage Stavenhagen.

 

 

In Deutschland gilt der Anschluss- und Benutzungszwang. Das bedeutet, dass jeder Abwasserverursacher sein Abwasser in die kommunale Kanalisation einleiten und es von der kommunalen Kläranlage behandeln lassen muss. Nur in begründeten Fällen nimmt man von diesem Grundsatz Abstand, zum Beispiel wenn der Abwasseranfallort zu weit vom kommunalen Kanalnetz entfernt liegt und der Bau eines zuleitenden Kanals unverhältnismäßig hohe Kosten verursachte oder wenn die Art und die Menge des Abwassers eine Behandlung in einer gesonderten, eigens auf das Abwasser ausgelegten Kläranlage angeraten sein lässt. In solchen Fällen kann der Abwasserverursacher vom Anschluss- und Benutzungszwang ausgenommen werden; er muss dann sein Abwasser in eigener Regie beseitigen. Selbstverständlich muss diese Abwasserbeseitigung den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen.

 

Unter den 605 Kläranlagen, die in der Regel vorwiegend häusliches Abwasser behandeln, sind 534 Kläranlagen, die von Kommunen als abwasserbeseitigungspflichtigen Körperschaften oder in ihrem Auftrage betrieben werden; 71 Kläranlagen werden von Privaten oder in sonstigem Auftrage geführt. Es handelt sich hierbei vor allem um kleine Kläranlagen von Hotels, Restaurants und Ferienhaussiedlungen oder aber auch um Kläranlagen von Bundeswehrstandorten. Zusammen mit den 23 Kläranlagen von Industrie und Gewerbe gibt es in Mecklenburg-Vorpommern somit 94 Direkteinleitungen aus nichtkommunalen Kläranlagen mit einem Abwasseranfall von jeweils mindestens 8 m³/d, bei denen das Abwasser vor Einleitung in das Gewässer nicht wie üblich dem öffentlichen (kommunalen) Abwasserkanal zugeführt und in einer öffentlichen (kommunalen) Kläranlage behandelt wird.

 

Aus der hohen Zahl kleiner Kläranlagen der Größenklasse 1 und der kleinen Zahl gewerblicher und industrieller Kläranlagen lässt sich deutlich die ländliche Struktur Mecklenburg-Vorpommerns ablesen. Die ländliche Struktur und die damit verbundene geringe Bevölkerungsdichte zeigen sich auch an dem hohen Anteil dezentraler Abwasserbeseitigung über Kleinkläranlagen, auf die in den Kapiteln „diffuse Fließgewässerbelastungen“ und „diffuse Grundwasserbelastungen“ eingegangen wird.

 

Von den insgesamt 628 Kläranlagen in Mecklenburg-Vorpommern leiten nicht alle ihr behandeltes Abwasser in Fließgewässer ein: 23 Kläranlagen für vorwiegend häusliches Abwasser leiten im Jahre 2001 in Küstengewässer ein, eine Kläranlage für häusliches Abwasser leitet in ein WRRL-relevantes Standgewässer ein, und aus 18 Kläranlagen für vorwiegend häusliches sowie aus zwei Kläranlagen für nichthäusliches Abwasser gelangt das behandelte Abwasser unmittelbar in kein Oberflächengewässer, sondern wird in der Abwasserlandbehandlung verrieselt oder versickert. Auf diese Kläranlagen gehen die Kapitel „punktuelle Standgewässerbelastungen“, „punktuelle Küstengewässerbelastungen“ und „punktuelle Grundwasserbelastungen“ näher ein. Damit verbleiben 563 Kläranlagen für vorwiegend häusliches und 21 Kläranlagen für nichthäusliches Abwasser, die unmittelbar in die mecklenburg-vorpommerschen Fließgewässer einleiten. Die Lage der Einleitstellen dieser 584 Kläranlagen ist in der folgenden Karte abgebildet.

 

Einleitungen von Abwasser aus Kläranlagen
> 50 EW in mecklenburg-vorpommersche
Fließgewässer


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(pdf, 563kb)

 

Allerdings ist zu beachten, dass Belastungen, die von Kläranlagen ausgehen, nicht nur auf das Gewässer oder Medium einwirken müssen, in das das Abwasser eingeleitet wird: Inhaltsstoffe behandelten Abwassers, das man zum Beispiel in den Untergrund einbringt, können nicht allein in das Grundwasser gelangen, sondern auch über das Grundwasser oder über den Zwischenabfluss im Boden in Fließ- oder Standgewässer. Inhaltsstoffe behandelten Abwassers, das man in Fließgewässer einleitet, können in Stand- und Küstengewässer eingetragen werden, wenn die Fließstrecke zwischen der Einleitstelle und der Mündung in das Stand- oder Küstengewässer zu kurz ist, als dass das Selbstreinigungs- und Rückhaltevermögen des Fließgewässers ausreichte, die Abwasserinhaltsstoffe abzubauen oder zurückzuhalten.

 

Seit 1990 haben die abwasserbeseitigungspflichtigen Körperschaften und die Wasserwirtschaftsverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern große Anstrengungen unternommen, die Abwasserbeseitigung an das Niveau der alten Bundesländer anzugleichen. Dies spiegelt sich im Stand der Klärtechnik wider: Im Jahre 2001 werden auf 560 (89,2 %) der insgesamt 628 Kläranlagen mechanisch-biologische und auf 62 Kläranlagen (9,8 %) außerdem weitergehende Abwasserreinigungsverfahren eingesetzt. Lediglich sechs kleine Kläranlagen der Größenklasse 1 (1,0 %) behandeln das Abwasser noch immer nur rein mechanisch.

 

Die mechanische Behandlung entfernt aus dem Abwasser nur Grob- und Leichtstoffe sowie absetzbare Stoffe, bei der mechanisch-biologischen Behandlung werden darüber hinaus gelöste, halbgelöste und feindispergierte organische Stoffe eliminiert. So wird in mechanisch-biologisch arbeitenden Kläranlagen die Abwasserverschmutzung in Form von Fetten, Eiweißstoffen und Kohlenhydraten nebst ihrer Begleitstoffe wie Vitaminen, manchen Mineralien und organischen Fremdstoffen restlos von Bakterien aufgezehrt und als Bakterienschlamm (Klärschlamm) aus dem gereinigten Abwasser entfernt. Einige Mineralien sind allerdings nicht oder nicht gänzlich biologisch elimininierbar. Hierzu gehört beispielsweise das Kochsalz. Jeder Mensch verbraucht am Tag gut zehn Gramm Kochsalz und scheidet sie auch wieder aus: selbst bestens gereinigtes Abwasser enthält immer um oder über 100 mg/l Chlorid. Gleichermaßen ist das Kalium der Kartoffel zu nennen. Auch Darmbakterien und Krankheitserreger werden nie restlos entfernt. Deshalb ist das Baden unterhalb der Einleitungsstellen von Kläranlagen untersagt und das Trinken auch optimal gereinigter Abwässer verboten.

 

Die Abwasserbehandlung in Kläranlagen gilt vor allem den Stoffen und Stoffgruppen, die das Sauerstoffgleichgewicht im Gewässer stören. Doch auch wenn Kläranlagen 90 % bis manchmal 99 % dieser gewässerbelastenden Stoffe zurückhalten, bleibt bei biologischer Reinigung stets ein technisch unvermeidbarer Rest im behandelten Abwasser. Er bildet eine zusätzliche Nahrungsquelle für die im Gewässer lebenden Bakterien und der sich ihnen anschließenden Nahrungskette. Durch die verstärkten Lebensaktivitäten steigt im Gewässer der Sauerstoffverbrauch. Ein verringerter Sauerstoffgehalt im Wasser – der von vornherein wesentlich kleiner ist als in der Luftatmosphäre und sich nur langsam wieder ersetzen lässt – kann für Reinwasserorganismen schädlich oder gar tödlich sein. Ein wichtiges Element der Abwasserbehandlung ist daher auch das Gewässer – wasserwirtschaftlich gesprochen: der Vorfluter –, in den man das behandelte Abwasser einleitet. Eine ordnungsgemäße Abwasserbehandlung setzt einen im Verhältnis zur Einleitungsmenge leistungsfähigen, d. h. hinreichend abflussstarken Vorfluter voraus, der die technisch unvermeidbare Restbelastung behandelten Abwassers für die Gewässerbiozönose schadlos abführen und mit seinem natürlichen Selbstreinigungsvermögen abbauen kann.

 

Zu den Stoffen und Stoffgruppen, die das Sauerstoffgleichgewicht im Gewässer stören, gehören auch Düngestoffe wie Stickstoff und Phosphorverbindungen, die das Wachstum von Algen und verkrautenden Wasserpflanzen begünstigen und so Einfluss auf den Sauerstoffhaushalt des Gewässers nehmen. Sie werden gezielt in der sogenannten dritten Reinigungsstufe eliminiert. Verfahren der dritten Reinigungsstufe können biologische Verfahren wie Denitrifikation und biologische Phosphorelimination, chemische Verfahren wie Phosphorfällung oder andere technische Verfahren sein. Der Betrieb solcher Verfahren ist aufwendig und wird daher regelmäßig erst auf größeren Kläranlagen durchgeführt.

 

Gefährliche Stoffe wie beispielsweise Gifte, Pestizide und naturfremde organische Verbindungen, Chemikalien usw. haben weder in der Kanalisation (die sie zerstören können) noch in der Kläranlage (deren biologische Kapazität sie vermindern oder zum Erliegen bringen können) noch in dem Gewässer (das sie vergiften können) etwas zu suchen; ihre Zuführung in die Kanalisation und die Kläranlage ist verboten. Mit Indirekteinleitergenehmigungen der Wasserbehörden und satzungsrechtlichen Einleitungsanforderungen der abwasserbeseitigungspflichtigen Körperschaften werden die Vorgaben an die Vermeidung und Rückhaltung solcher Stoffe am Anfallsort oder vor Vermischung mit anderem Abwasser gegenüber den Abwasserverursachern durchgesetzt.

 

Die Anstrengungen der abwasserbeseitigungspflichtigen Körperschaften und ihre beträchtlichen Investitionen seit 1990 haben Erfolg gezeitigt. Die untenstehende Karte zeigt die saprobielle Güte an Meßstellen in Mecklenburg-Vorpommern. Die saprobielle Wassergüte ist ein Maß der Beeinträchtigung der Gewässerbiozönose durch leicht abbaubare organische sauerstoffzehrende Stoffe, wie sie unter anderem der Abwasserbehandlung in Kläranlagen als Restbelastung entstammen.

 

Aktuellste Werte der saprobiellen Wassergüte
bis 2001 in mecklenburg-vorpommerschen
Fließgewässern


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(pdf, 561kb)

 

Man unterteilt die saprobielle Wassergüte in sieben Güteklassen:

Güteklasse I: unbelastet bis sehr gering belastet

Gewässer mit reinem, stets annähernd sauerstoffgesättigtem und nährstoffarmem Wasser

Güteklasse I-II: gering belastet

Gewässer mit geringer anorganischer oder organischer Nährstoffzufuhr ohne nennenswerte Sauerstoffzehrung

Güteklasse II: mäßig belastet

Gewässer mit mäßiger Verunreinigung und guter Sauerstoffversorgung

Güteklasse II-III: kritisch belastet

Gewässer, deren Belastung mit organischen sauerstoffzehrenden Stoffen einen kritischen Zustand bewirkt

Güteklasse III: stark verschmutzt

Gewässer mit starker organischer sauerstoffzehrender Verschmutzung und meist niedrigem Sauerstoffgehalt

Güteklasse III-IV: sehr stark verschmutzt

Gewässer mit weitgehend eingeschränkten Lebensbedingungen für Gewässerorganismen durch sehr starke Verschmutzung mit organischen sauerstoffzehrenden Stoffen

Güteklasse IV: übermäßig verschmutzt

 

In Mecklenburg-Vorpommern erreichen heute nahezu alle Gewässer die Güteklasse II. Diese Güteklasse ist das allgemeine gewässerschutzpolitische Ziel der deutschen Wasserwirtschaftungsverwaltungen. Welche Fortschritte man in Mecklenburg-Vorpommern auf dieses Ziel hin in den letzten Jahren gemacht hat, verdeutlicht die Karte der saprobiellen Wassergüte des Jahres 1990. Die Karte liegt nicht digital vor und musste abgelichtet werden; daher die schlechte Qualität. Erkennbar ist, dass sich 1990 lange Gewässerabschnitte in der Güteklasse III (stark verschmutzt) befanden und sogar Abschnitte der Güteklasse III-IV (sehr stark verschmutzt) und IV (übermäßig verschmutzt) anzutreffen waren.

 

Saprobielle Wassergüte der Fließgewässer
Mecklenburg-Vorpommerns im Jahre 1990


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(pdf, 1887kb)

 

Den Anstrengungen der letzten Jahre ist es zu danken, dass heute Fließgewässerbelastungen durch Kläranlagen im Ganzen gesehen in ihrer Bedeutung gegenüber anderen stofflichen Belastungen in den Hintergrund treten. Ein Vergleich mit den diffusen Belastungen, wie ihn das Kapitel „diffuse Fließgewässerbelastungen“ zieht, verdeutlicht dies. Das bedeutet aber nicht, dass von Kläranlageneinleitungen im Einzelfall nicht erhebliche Gewässerbelastungen ausgehen können.

 

Den Erfolg der mecklenburg-vorpommerschen Wasserwirtschaft, vor allem der abwasserbeseitigungspflichtigen Körperschaften und nicht zuletzt ihrer Klärwärter, die unmittelbar für den Betrieb der Anlagen verantwortlich sind, unterstreicht der regelmäßig von der Abwassertechnischen Vereinigung (ATV) in Deutschland durchgeführte Leistungsvergleich. An dem 16. Leistungsvergleich kommunaler Kläranlagen 2003 beteiligten sich deutschlandweit 6.110 Kläranlagen, davon 250 aus dem ATV-Landesverband Nord-Ost, zu dem Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zählen.

 

Aus den Daten, die dem Leistungsvergleich zu Grunde liegen, ergibt sich, dass im Nordosten Deutschlands das konzentrierteste Kommunalabwasser mit im Jahresmittel 564 mg/l BSB5 (biologische Sauerstoffzehrung) und 1.130 mg/l CSB (chemische Sauerstoffzehrung) den Kläranlagen zufließt. Die bundesdeutschen Mittelwerte betrugen zur gleichen Zeit 312 mg/l BSB5 und 607 mg/l CSB. Dies ist zum einen vermutlich auf die im Norden und Osten Deutschlands stark verbreitete Trennkanalisation zurückzuführen, die im Gegensatz zur Mischentwässerung das Regenwasser von den Kläranlagen fernhält. Zum anderen kommt wohl die im Osten Deutschlands extreme Sparsamkeit im Trinkwasserverbrauch als Folge der hohen Trink- und Abwassergebühren hinzu.

 

Die festgestellte Abbauleistung der Kläranlagen im Landesverband Nord-Ost beträgt 99 % der sauerstoffzehrenden Stoffe (bundesweit 97 %) und trägt damit maßgeblich zu einem allgemein guten saprobiellen Gewässerzustand auch in Mecklenburg-Vorpommern bei. Ähnliches gilt für die Entfernung gewässerdüngender Stoffe aus dem Abwasser: Hier nimmt der ATV-Verband Nord-Ost mit 95 % Phosphoreliminierung sogar den Spitzenplatz unter den Landesverbänden ein, beim Stickstoff liegt er mit 84% auf dem zweiten Platz hinter dem ATV-Verband Nord (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen). Bezeichnenderweise sind gerade in den nördlichen Regionen Deutschlands mit überwiegend Trennkanalisation die Eliminierungsraten an gewässerdüngenden Stoffen am höchsten. Es wirkt sich positiv aus, dass zum Beispiel für die Denitrifikation des Stickstoffs genügend Kohlenstoffe im konzentrierteren Abwasser vorhanden sind. Im Gegensatz dazu stehen die west- und süddeutschen Landesverbände, bei denen Mischkanalisation vorherrscht und die Kohlenstoffkonzentration für die Denitrifikation im daher dünneren Abwasser nicht immer günstig ist.

 

Da – wie der jährliche Leistungsvergleich der Kläranlagen zeigt – die Wirkungsweise der biologischen Abwasserreinigung plus Nährstoffeliminierung immer besser wird und die Einleitung der gereinigten Abwässer bundesdurchschnittliche Werte von

  • 5 mg/l BSB5
  • 33 mg/l CSB
  • 2 mg/l NH4-N (nichtoxidierter Ammonium-Stickstoff)
  • 9 mg/l Stickstoff (oxidiert, überwiegend als Nitrat-Stickstoff))
  • 0,8 mg/l Phosphor

erreicht, treten demgegenüber die Einleitungen von Mischwasser deutlicher in den Mittelpunkt der Betrachtung: ist doch Mischwasser weit höher verschmutzt als behandeltes Abwasser. Außerdem wirkt seine Verschmutzung wesentlich aggressiver und direkter auf den Sauerstoffgehalt des Gewässers als die Restverschmutzung nach biologischer Behandlung in einer Kläranlage. Daher kommt seiner Erfassung und gegebenenfalls seiner Behandlung wachsende Bedeutung zu.

 

Einleitungen aus Kläranlagen
In Mecklenburg-Vorpommern gelten alle Mischwassereinleitungen als signifikante punktuelle Fließgewässerbelastungen. Insbesondere ältere Abwasserkanalisationen sind oft Mischwasserkanalisationen. In Mischwasserkanalisationen leitet ein einziger Kanal alles Abwasser, also vor allem Schmutzwasser aus den Haushalten und Niederschlagswasser, zur Kläranlage ab. Das Gemisch aus Schmutz- und Niederschlagswasser nennt man Mischwasser. Es ist technisch kaum möglich und vor allem in der Regel nicht bezahlbar, zum einen den Kanal einer Mischwasserkanalisation so auszulegen, dass er den Niederschlagswasseranfall jedes nur denkbaren Niederschlagsereignisses abzuführen vermag, zum anderen die Kläranlage so zu dimensionieren, dass sie diesen Niederschlagswasseranfall behandeln kann. Deshalb sieht man in einer Mischwasserkanalisation regelmäßig Entlastungen vor. Das bedeutet, dass man im Mischwasserkanal Überläufe einbaut, aus denen bei Überschreiten eines kritischen Mischwasserabflusses das Mischwasser in ein Fließgewässer abgeschlagen wird. Der Abschlag von Mischwasser in ein Fließgewässer stellt eine nicht unerhebliche ökologische Belastung dar. Ein solches Verfahren entspricht gleichwohl der Regel der Technik; bei ordnungsgemäßer Auslegung sollte gewährleistet sein ist, dass das am stärksten belastete Abwasser zu Beginn eines Niederschlagsereignisses (der Spülstoß) der Kläranlage zugeleitet wird und ein Abschlag erst bei erheblichem Niederschlagswasseranfall in stärkerer Abwasserverdünnung erfolgt.

 

Um die ökologische Belastung durch Mischwasserabschläge zu mindern, legt man bisweilen Rückhaltebecken, Überlaufbecken oder auch Klärbecken in der Mischkanalisation an. Die Becken verringern Menge und Häufigkeit der Mischwasserabschläge bzw. bewirken eine mechanische Behandlung des Mischwassers.

 

Im Gegensatz zur Mischkanalisation führen in einer Trennkanalisation zwei Kanäle Schmutz- und Niederschlagswasser gesondert ab. Der eine Kanal leitet das Schmutzwasser der Kläranlage zu, während der andere das Niederschlagswasser in ein Fließgewässer abführt. Neuere Kanalisationen in Norddeutschland sind in der Regel als Trennkanalisationen angelegt. In kleineren Orten verzichtet man bei der Trennkanalisation oft auf den Niederschlagswasserkanal; hier versickern die Grundstückseigentümer das anfallende Regenwasser auf ihren Grundstücken und leiten nur das Schmutzwasser in die öffentliche Kanalisation ab. Dies ist die wirtschaftlich und ökologisch vorteilhafteste Variante zentraler Abwasserbeseitigung. Sie verlangt allerdings versickerungsfähige Böden.

 

Niederschlagswasser aus Trennkanalisationen in Fließgewässer einzuleiten, ist ebenfalls nicht immer unproblematisch. Insbesondere Niederschlagswasser von Verkehrsflächen kann stärker verschmutzt sein. Gleichwohl reicht die Verschmutzung in der Regel nicht an die Verschmutzung von Mischwasser heran. Daher erfasste die Wasserwirtschaftsverwaltung in der Bestandsaufnahme nur die wasserwirtschaftlich bedeutsamen Niederschlagswassereinleitungen in WRRL-relevante Fließgewässer.

 

Die Ermittlung signifikanter Belastungen durch Misch- und Niederschlagswassereinleitungen baut auf vorhandenen Datenbeständen wie zum Beispiel dem Wasserbuch des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie und dem Datenstock der Zentralen Stelle für Abwasserabgabe und Wasserentnahmeentgelt auf. Grundlage der Ermittlung ist somit in der Regel der behördliche Erlaubnisbescheid.

 

Beim Vergleich der Daten des Wasserbuches und der Zentralen Stelle fiel auf, dass die Angaben beider Datenbestände voneinander abwichen oder unvollständig waren. Im Zuge der Bestandsaufnahme überprüften, berichtigten und ergänzten die Staatlichen Ämter für Umwelt und Natur die Daten in Zusammenarbeit mit den Unteren Wasserbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte und den abwasserbeseitigungspflichtigen Körperschaften. Bezugsjahr der ermittelten Daten ist 2001.

 

Es wurden unter anderem folgende Angaben erhoben:

  • Art der Einleitung (Misch- oder Niederschlagswassereinleitung)
  • Inhaber der Einleiterlaubnis
  • Name des Fließgewässers, in das eingeleitet wird
  • Lage der Einleitungsstelle (Rechtswert/Hochwert)
  • Lage der Einleitungsstelle nach behördlicher Erlaubnis (weicht bisweilen von tatsächlicher Einleitungsstelle ab)
  • behördliche Bestimmungen zu den Einleitmengen

 

In der nachstehenden Karte finden Sie eine Darstellung der Lage der Mischwassereinleitungen in die Fließgewässer und der Niederschlagswassereinleitungen in die WRRL-relevanten Fließgewässer. Die Wasserwirtschaftsverwaltung ermittelte 50 Mischwasserentlastungen und 552 Niederschlagswassereinleitungen.

 

Einleitungen von Misch- und Niederschlags-
wasser in mecklenburg-vorpommersche
Fließgewässer


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(pdf, 562kb)

 

Aus der Karte und den genannten Zahlen wird deutlich, dass es in der Bestandsaufnahme nicht gelungen ist, alle Niederschlagswassereinleitungen wasserwirtschaftlich nicht untergeordneter Bedeutung in WRRL-relevante Fließgewässer sowie alle Mischwassereinleitungen zu ermitteln. An einigen Stellen im Lande tun sich offensichtliche Lücken auf. Diese Lücken können auf wasserrechtliche Vollzugsdefizite zurückzuführen sein; vielfach dürften für vorhandene, aber in der Bestandsaufnahme nicht ermittelte Einleitungen Nutzungsgenehmigungen aus der Zeit vor 1990 vorliegen, deren Akten mit dem Umbruch in der Wasserwirtschaftsverwaltung nunmehr an unbekanntem Ort verblieben sind, und deren Aktualisierung bis heute aussteht. Diese Defizite sollten sich in nächster Zeit beheben lassen, da bei den Betreibern der Kanalnetze in der Regel durchaus Kenntnisse über die Misch- und Niederschlagswassereinleitungen vorliegen.

 

Gleichwohl muss vor allem das Fehlen von Mischwassereinleitungen an Orten, an denen man sie vermuten könnte, nicht immer auf behördliche Kenntnisdefizite zurückzuführen sein. Auch auf dem Gebiet der Kanalisation tätigten die abwasserbeseitigungspflichtigen Körperschaften in den letzten Jahren umfängliche Investitionen. In vielen Städten wurde das gewachsene Kanalnetz, das sich aus einer Mischung von neuerer Trenn- und älterer Mischkanalisation zusammensetzte, entflochten, die Kapazität der Kanalnetze wurde erweitert, und so können heute Städte wie Neubrandenburg, Greifswald oder Stralsund fast völlig auf Mischwasserabschläge verzichten.

 

Die konkrete Belastung, die von Mischwasserabschlägen und Niederschlagwassereinleitungen für Fließgewässer ausgeht, lässt sich gegenwärtig nicht quantifizieren. Behördlichen Einleiterlaubnisse schreiben nur einzuhaltene Wassermengen fest, jedoch keine Überwachungswerte für Stoffkonzentrationen. Daher unterliegen solche Einleitungen regelmäßig keiner stoffanalytischen behördlichen Überwachung.

 

Mischwasserüberläufe tragen ebenso wie Kläranlagen vor allem leicht abbaubare organische Stoffe, die die saprobielle Güte beeinträchtigen können, in Gewässer ein. Deshalb kennzeichnet die oben gezeigte Darstellung der saprobiellen Güte der Fließgewässer in gleicher Weise die Belastungssituation durch Mischwasserabschläge wie die durch Kläranlagenabläufe. Im Ganzen gesehen gehen somit auch von Mischwasserabschlägen keine Belastungen aus, die den allgemeinen Fließgewässerzustand in Mecklenburg-Vorpommern wesentlich nachteilig beeinflussten. Auch gegenüber diffusen Belastungen der Fließgewässer treten Mischwassereinträge in den Hintergrund. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ein Mischwasserüberlauf im Einzelfall nicht eine erhebliche Fließgewässerbelastung darstellen kann.

 

Neben Einleitungen aus Kläranlagen, Misch- und Niederschlagswassereinleitungen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern wenige weitere signifikante punktuelle Belastungen. Dazu zählt die Einleitung von Betriebswasser, wie es in Kraftwerken anfällt, oder auch von Filterspülwasser aus Wasserwerken. In der Regel ist bei diesen Abwässern allenfalls eine mechanische Behandlung in Absetzanlagen erforderlich. Eine im Vergleich zu den Kläranlagen- und Mischwassereinleitungen wesentliche Belastung geht von solchen Einleitungen im Allgemeinen nicht aus.

 

Misch- und Niederschlags-wassereinleitungen

 

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