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Die Arbeiten, die die Wasserwirtschaftsverwaltung bis zum Ende des Jahres 2004 zu leisten hat, bezeichnet man im Allgemeinen als Bestandsaufnahme. Bestandsaufnahme bedeutet: Der Gewässerbestand wird zu Beginn der Wasserrahmenrichtlinienumsetzung inventarisiert, er wird vollständig aufgenommen und beschrieben und in seinem aktuellen Wert – dem wahrscheinlichen Zustand – taxiert. Inventurstichtag ist der 22. Dezember 2004. Die Bestandsaufnahme bildet die Grundlage aller weiteren Schritte der Wasserrahmenrichtlinienumsetzung.

 

Wesentlicher Inhalt der Bestandsaufnahme ist: die Typisierung der Gewässer, die Ermittlung der Gewässerbelastungen und die Einschätzung des Gewässerzustandes.

 

 
Die Wasserrahmenrichtlinie verlangt, dass die Wasserwirtschaftsverwaltung die Fließgewässer, Standgewässer, Küstengewässer und das Grundwasser der Flussgebietseinheiten nach ihren wesentlichen Merkmalen in der Bestandsaufnahme beschreibt. Für Oberflächengewässer bedeutet dies vor allem, dass sie typisiert, dass sie also Idealtypen zugeordnet werden, die dem vermutlichen Naturzustand der Gewässer entsprechen. Näheres zur Vorgehensweise finden Sie in den Kapiteln „Fließgewässertypologie“, „Standgewässertypologie“ und „Küstengewässertypologie“. Für bestimmte Oberflächengewässer kann es auch bedeuten, dass sie als erheblich verändert oder als künstlich ausgewiesen werden und man ihnen einen Gewässertyp zuordnet, der keinem wahrscheinlichen Naturzustand, sondern ihrem jetzigen Zustand nahekommt. Wann und warum man dies tut, erläutern die Kapitel „erheblich veränderte/künstliche Fließgewässerkörper“, „erheblich veränderte/künstliche Standgewässerkörper“ und „erheblich veränderte/künstliche Küstengewässerkörper“.

 

Das Grundwasser ist nicht zu typisieren, doch muss man es auch erforderlichenfalls hinsichtlich seiner Chemie, seiner Stratifikation, hinsichtlich der hydrogeologischen Eigenschaften des Grundwasserleiters und der den Grundwasserleiter überdeckenden Gesteinsschichten näher beschreiben.

 

Typisierung
Die Wasserwirtschaftsverwaltung hat ferner bis zum Ende des Jahres 2004 zu ermitteln, welchen Belastungen die Gewässer ausgesetzt sind und wie sich die Belastungen auf die Gewässer auswirken. Als Belastungen sind Einwirkungen des Menschen auf die Gewässer zu verstehen wie zum Beispiel die gezielte Einleitung von Abwasser in Fließgewässer oder die Entnahme von Grundwasser zur Wasserversorgung, aber auch der unbeabsichtigte Eintrag von Düngemitteln aus der Landwirtschaft in Oberflächengewässer oder das Grundwasser.

 

Belastungs-
ermittlung

Die Richtlinie 2000/60/EG – die EU-Wasserrahmenrichtlinie – fordert bei Oberflächengewässern die Ermittlung signifikanter Belastungen, definiert den Begriff jedoch nicht. Zwar verweist die Richtlinie bei den zu betrachtenden signifikanten Belastungen auf geltende EU-Richtlinien wie die Kommunalabwasserrichtlinie, doch erscheint es verfehlt, beispielsweise aus dem Verweis auf die Kommunalabwasserrichtlinie zu schließen, dass die Richtlinie 2000/60/EG als signifikante Belastungen nur die in der Kommunalabwasserrichtlinie behandelten Kläranlagen mit Ausbaugrößen von mindestens 2.000 EW angesehen haben wolle. Es lehrt die Erfahrung, dass auch kleinere Kläranlagen für abflussarme Vorfluter Belastungen darstellen können, die man als signifikant betrachten muss, will man den Begriff „signifikant“ nicht seines Wortsinnes berauben. Es erscheint somit nicht gerechtfertigt, die fachliche Signifikanz von Gewässerbelastungen aus dem formalen Anwendungsbereich von Richtlinien abzuleiten. Mit dem Verweis auf EU-Richtlinien nimmt die Richtlinie 2000/60/EG lediglich Bezug auf Belastungen, die in den Kreis signifikanter Belastungen gehören können. Dies unterstreicht die Richtlinie, indem sie ausdrücklich nur unter anderem auf EU-Richtlinien verweist, also den Kreis signifikanter Belastungen nicht mit den in den EU-Richtlinien genannten Belastungen abschließt.

 

Hier und dort legt man den Begriff der Signifikanz so aus, dass signifikant eine Belastung dann sei, wenn sie dazu führe, dass ein Gewässer die Bewirtschaftungsziele der Richtlinie 2000/60/EG verfehle. In Mecklenburg-Vorpommern wird bezweifelt, dass die Richtlinie 2000/60/EG einen solchen Begriff der Signifikanz voraussetzt. Gemäß Richtlinie 2000/60/EG hat man an Hand der ermittelten signifikanten Belastungen zu beurteilen, wie wahrscheinlich es ist, dass die Gewässer die Bewirtschaftungsziele nicht erreichen. Träfe die genannte Auslegung zu, wäre eine solche Beurteilung der Wahrscheinlichkeit nach der Ermittlung der Belastungen unsinnig, denn es wäre von vornherein ausgemacht, dass Gewässer, die so verstandenen signifikanten Belastungen ausgesetzt wären, die Bewirtschaftungsziele verfehlten und Gewässer, die keinen solchen signifikanten Belastungen ausgesetzt wären, die Bewirtschaftungsziele erreichten. Die Wasserrahmenrichtlinie gibt aber eindeutig vor, dass zunächst die signifikanten Belastungen zu ermitteln sind und man dann an Hand der ermittelten signifikanten Belastungen beurteilt, wie wahrscheinlich es ist, dass die Gewässer die Bewirtschaftungsziele verfehlen.

 

Die Verknüpfung von Signifikanz und Bewirtschaftungsziel führt – zumindest bei der ersten Bestandsaufnahme bis 2004 – auch deshalb in die Irre, weil man für die Bestimmung der signifikanten Belastungen zuvor die Bewirtschaftungsziele kennen müsste. Die Bewirtschaftungsziele sind jedoch unterschiedlich: für erheblich veränderte oder künstliche Oberflächengewässer gelten andere Bewirtschaftungsziele als für die übrigen Oberflächengewässer. Welches Oberflächengewässer aber erheblich verändert ist, kann man erst an den ermittelten signifikanten morphologischen Belastungen beurteilen.

 

Zudem sind Gewässer meist nicht nur einer Belastung ausgesetzt, sondern einer Vielzahl von Belastungen, die sich in ihrer Wirkung überlagern. Dass ein Gewässer die Bewirtschaftungsziele nicht erreicht, kann somit eine Belastung allein oder im Zusammenwirken mit anderen verursachen. Ist ein Gewässer mehreren Belastungen ausgesetzt, müsste man zunächst genau die Auswirkungen der einzelnen Belastungen untersuchen, um daraus abzuleiten, welche der Belastungen allein oder nur im Zusammenwirken mit anderen das Gewässer das Bewirtschaftungsziel verfehlen lässt und somit nach der oben angeführten Auslegung signifikant wäre. Nicht nur, dass dieses Vorgehen das von der Richtlinie 2000/60/EG vorgegebene Vorgehen umkehrte, ein solches Vorgehen wäre noch dazu so aufwendig und kompliziert, dass es in der Kürze der Zeit, die die Richtlinie der Bestandsaufnahme bis zum Ende des Jahres 2004 lässt, nicht durchführbar wäre.

 

Die Richtlinie 2000/60/EG fordert, dass man beurteilt, wie empfindlich der Zustand der Oberflächengewässer auf die ermittelten signifikanten Belastungen reagiert, und dass man an Hand der signifikanten Belastungen abschätzt, ob die Oberflächengewässer die Bewirtschaftungsziele verfehlen. Die Richtlinie 2000/60/EG kann diese Forderung sinnvollerweise nur erheben, wenn sie nicht ausschließt, dass der Zustand der Oberflächengewässer auf signifikante Belastungen mehr oder minder empfindlich reagieren und ein Gewässer die Bewirtschaftungsziele erreichen kann, obwohl es signifikanten Belastungen ausgesetzt ist. Die Signifikanz einer Belastung bemisst sich folglich nicht an einer bestimmten Änderung des Zustandes der Oberflächengewässer oder an der Frage, ob ein Gewässer die Bewirtschaftungsziele verfehlt oder nicht. Vielmehr folgt aus dem von der Richtlinie 2000/60/EG verlangten Vorgehen, dass sich die Signifikanz einer Belastung nicht in der Rückschau nach ihrer Auswirkung im konkreten Gewässer bestimmt, sondern dass Signifikanz als eine vorgängige Qualifizierung einer Belastung zu verstehen ist, deren Auswirkung man im konkreten Gewässer erst beurteilen muss. Signifikante Belastungen können somit, müssen aber nicht zwangsläufig bewirken, dass ein Oberflächengewässer die Bewirtschaftungsziele verfehlt.

 

In Mecklenburg-Vorpommern wird in diesem Sinne jede Belastung als signifikant verstanden, die geeignet ist, in einem nicht nur unerheblichen Maße die physikalische, chemische und biologische Beschaffenheit eines Oberflächengewässers zu beeinträchtigen. Damit ist sichergestellt, dass die Wasserwirtschaftsverwaltung bei der Bestandsaufnahme alle Belastungen außer den unerheblichen erfasst.

 

Oberflächengewässer sind, weil an der Erdoberfläche befindlich und jedermann zugänglich, vielerlei Belastungen ausgesetzt. Die Zahl der nicht nur unerheblichen Belastungen ist daher beträchtlich. Man kann aber annehmen, dass viele der nicht nur unerheblichen Beeinträchtigungen Gewässerbenutzungen sind, die nach Wassergesetz behördlich erlaubt werden müssen. So kann die Wasserwirtschaftsverwaltung bei der Bestandsaufnahme in großem Maße auf vorhandene Datenbestände über genehmigte Gewässerbenutzungen zur Beschreibung signifikanter Belastungen zurückgreifen. Dies gilt allerdings nicht für solche nicht nur unerheblichen Beeinträchtigungen, die keine gesetzlichen Gewässerbenutzungen sind, also zum Beispiel diffuse Belastungen, wie sie von der Landwirtschaft ausgehen können. Hier muss man die signifikanten Belastungen nach anderen Ansätzen zu bestimmen versuchen; dabei richten sich die Ansätze nach den gegenwärtigen fachlichen Möglichkeiten der Wasserwirtschaftsverwaltung. Was als signifikante Belastung der Oberflächengewässer Mecklenburg-Vorpommerns ermittelt wurde, finden Sie in den Kapiteln „Fließgewässerbelastungen“, „Standgewässerbelastungen“ und „Küstengewässerbelastungen“ dargestellt.

 

Grundwasser ist von Bodenschichten überdeckt und von vornherein einer geringeren Zahl von Belastungen ausgesetzt. Eine Unterscheidung zwischen signifikanten und insignifikanten Belastungen nimmt die Richtlinie 2000/60/EG beim Grundwasser nicht vor. Gleichwohl gibt es auch selbstverständlich für das Grundwasser Belastungen, die augenscheinlich von so geringer Bedeutung sind, dass man sie vernachlässigen kann. Was für das Grundwasser als Belastungen in der Bestandsaufnahme ermittelt wurde, finden Sie im Kapitel „Grundwasserbelastungen“.

 

Signifikanz der Belastungen
Wenn bisher von Gewässern die Rede war, für die die Wasserrahmenrichtlinie Anforderungen stellt, so ist dieser Begriff zwar nicht falsch, aber doch ungenau. Tatsächlich erstrecken sich die Anforderungen der Richtlinie 2000/60/EG in erster Linie nicht auf Gewässer, sondern konkret auf Abschnitte von Gewässern, die Wasserkörper. Obwohl der Begriff des Wasserkörpers der Zentralbegriff der Richtlinie 2000/60/EG ist, nehmen ihn das Wasserhaushaltsgesetz und das Landeswassergesetz nicht auf. Das Wasserhaushaltsgesetz spricht lediglich von Gewässerteilen, ein Begriff, der vom Wortsinne her alles Mögliche bezeichnen kann und ungeeignet ist, das Spezifische des Wasserkörpers auszudrücken. Erst in der Landesverordnung zur Umsetzung der Anhänge II und V der Richtlinie 2000/60/EG wird der Begriff Wasserkörper definiert und verwandt.

 

Ein Oberflächenwasserkörper ist gemäß Landesverordnung ein einheitlicher und bedeutender Abschnitt eines Oberflächengewässers, z. B. ein See, ein Speicherbecken, ein Fließgewässer, Fluss oder Kanal, ein Teil eines Fließgewässers, Flusses oder Kanals, ein Übergangsgewässer oder ein Küstengewässerstreifen. Ein Grundwasserkörper ist ein abgegrenztes Grundwasservolumen innerhalb eines oder mehrerer Grundwasserleiter.

 

Die Bezeichnung Wasserkörper war in der Wasserwirtschaft schon vor Erlass der Richtlinie 2000/60/EG begrifflich belegt. Nach DIN 4049, Teil 1 (1992) ist ein Wasserkörper „ein Wasservolumen [m³], das eindeutig abgegrenzt oder abgrenzbar ist“. Es handelt sich um ein Gedankenkonstrukt, das einen gedachten Körper aus Wasser bezeichnet, der einen bestimmten Hohlraum ausfüllt. Die Wasserrahmenrichtlinie versteht unter einem Oberflächenwasserkörper dagegen einen „einheitlichen und bedeutenden Abschnitt“ eines Gewässers. Ein Gewässerabschnitt ist qualitativ etwas anderes als ein Wasserkörper nach DIN 4049. Ein Gewässerabschnitt umfasst den vom Wasser gefüllten Raum einer Hohlform, den Wasserkörper im Sinne der DIN 4049, und darüber hinaus die Hohlform selbst, d. h. das Gewässerbett aus Sohle und Ufer. Der Begriff Wasserkörper kann nunmehr zweierlei, ein Ganzes, den Gewässerabschnitt, oder einen Teil davon, das im Gewässerabschnitt befindliche Wasser, bezeichnen. Gerade in der Gewässerökologie ist die Unterscheidung zwischen Gewässersohle und darüber liegendem Wasserkörper im Sinne der DIN 4049 von Bedeutung. Um Begriffsverwirrung vorzubeugen, hätte man für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie mit mehr sprachlichem Mut den Begriff Gewässerkörper prägen sollen, der korrekt das bezeichnete, was die Wasserrahmenrichtlinie meint: einen besonderen Gewässerabschnitt. Auch auf das Grundwasser hätte dieser Begriff gepasst, ist doch Grundwasser ein Gewässer.

 

Zur Vermeidung von Missverständnissen wird der Begriff Wasserkörper im Weiteren ausschließlich im Sinne eines Gewässerabschnittes gemäß Wasserrahmenrichtlinie gebraucht.

 

Der Begriff des Wasserkörpers ist zentral für die Wasserrahmenrichtlinie, denn er zielt auf zwei wesentliche Gesichtspunkte der Wasserrahmenrichtlinie ab: die Typisierung bei den Oberflächengewässern und die Einschätzung des Gewässerzustandes an Hand der Bewirtschaftungsziele. Fließgewässer wandeln sich in ihrem Verlauf: der Oberlauf hat oft eine andere Gestalt, andere Fließverhältnisse und anderes Substrat als der Mittel- oder Unterlauf. Die Unterschiede können so groß sein, dass man Ober-, Mittel- und Unterlauf verschiedenen Fließgewässertypen zuordnen muss. Indem man das Fließgewässer in mehrere Abschnitte – Wasserkörper – unterteilt, lässt sich die Abfolge der Typen im Gewässerverlauf abbilden. Auch Standgewässer können so stark gegliedert sein, dass sich verschiedenartige Gewässerabschnitte – Wasserkörper – ausmachen lassen. Dies gilt ebenso für die Küstengewässer, die sich an der vielgestaltigen Ostseeküste mit ihren Sunden, Bodden und Haffen in ganz unterschiedlich geprägte Abschnitte – Wasserkörper –  teilen.

 

Zwar gelten die Bewirtschaftungsziele der Wasserrahmenrichtlinie für das Gewässer, doch nachweisen lässt sich die Erreichung der Ziele nur an – Wasserkörpern. Demgemäß definiert die Richtlinie 2000/60/EG den Zustand eines Oberflächengewässers ausdrücklich als allgemeine Bezeichnung für den Zustand eines Oberflächenwasserkörpers, den Zustand des Grundwassers als allgemeine Bezeichnung des Zustandes eines Grundwasserkörpers. Fließgewässer unterliegen in ihrem Verlauf unterschiedlichen Belastungen, die dort, wo sie wirken, den Gewässerzustand unterschiedlich beeinflussen. Gleiches trifft auf Küsten- und Standgewässer und das Grundwasser zu. Auch sie können örtlich unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt sein und sich dadurch in einem unterschiedlichen Gewässerzustand befinden. Um den örtlich unterschiedlichen Zustand der Gewässer abzubilden, bedarf es einer Einteilung in Abschnitte – in Wasserkörper. Wasserkörper stellen somit vor allen Einzugsgebieten und Flussgebietseinheiten die wesentliche Bewirtschaftungseinheit der Wasserrahmenrichtlinie dar.

 

Mit der Typisierung und dem Gewässerzustand sind die beiden wichtigsten Kriterien genannt, nach denen Wasserkörper festgelegt werden. Wasserkörper sollen den Wechsel der Typen und des Zustandes im Gewässer widerspiegeln. Wasserkörper sollen aber auch eine Bewirtschaftung, d. h. das zielgerichtete Hinwirken der Wasserwirtschaftsverwaltung auf die Bewirtschaftungsziele der Wasserrahmenrichtlinie, ermöglichen. Um sinnvoll bewirtschaftbar zu sein, müssen Wasserkörper eine Mindestgröße haben. Oberflächenwasserkörper sind nach der Wasserrahmenrichtlinie einheitliche und bedeutende Gewässerabschnitte. Das Wort „bedeutend“ ist in dieser Hinsicht zuallererst auf die Größe des Wasserkörpers auszulegen. Nach welchen Grundsätzen man in Mecklenburg-Vorpommern Wasserkörper abgrenzt, finden Sie in den Kapiteln „Abgrenzung der Fließgewässerkörper“, „Abgrenzung der Standgewässerkörper“, „Abgrenzung der Küstengewässerkörper“ und „Abgrenzung der Grundwasserkörper.

 

Begriff des Wasserkörpers
Bis zum Ende des Jahres 2004 muss die Wasserwirtschaftsverwaltung für jeden Wasserkörper ermitteln, wie wahrscheinlich es ist, dass er angesichts der bestehenden Belastungen die Bewirtschaftungsziele der Wasserrahmenrichtlinie erreicht oder nicht. Eine Einschätzung dieser Wahrscheinlichkeit ist eine Einschätzung des wahrscheinlichen Zustandes der Wasserkörper, denn Gegenstand der Bewirtschaftungsziele ist im Wesentlichen ein bestimmter Wasserkörperzustand. Da der Zustand die Grenzen der Wasserkörper mitbestimmt, sind die Abgrenzung der Wasserkörper und die Einschätzung ihres Zustandes zwei Vorgänge, die sich ineinander verschränken.

 

Allgemeine Bewirtschaftungsziele der Wasserrahmenrichtlinie sind:

 

  • der gute Zustand der Oberflächenwasserkörper bis 2015; der gute Zustand unterteilt sich in einen mindestens guten ökologischen Zustand und einen mindestens guten chemischen Zustand
  • der gute mengenmäßige und der gute chemische Zustand der Grundwasserkörper bis 2015.

 

Wenn die Wasserwirtschaftsverwaltung gehalten ist einzuschätzen, wie wahrscheinlich Wasserkörper die genannten Zustände erreichen, so bedeutet es, dass die Wasserwirtschaftsverwaltung bis zum Ende des Jahres 2004 keine Aussage über den definitiven Zustand zu treffen braucht, sondern nur über den wahrscheinlichen. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass die Wasserwirtschaftsverwaltung bis zum Ende des Jahres 2004 oft keine abschließenden Aussagen treffen kann, weil die Bewertungsverfahren, nach denen die Wasserrahmenrichtlinie die definitive Zustandsbestimmung verlangt, vielfach gegenwärtig nicht existieren – weder in Deutschland noch in anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Es ist deshalb ausdrücklich zu betonen, dass alle in der Bestandsaufnahme dargestellten Wasserkörperzustände lediglich wahrscheinliche Zustände sind, die auf der Grundlage der bei der Bestandsaufnahme verfügbaren Daten und verfügbaren Bewertungsverfahren eingeschätzt wurden.

 

Genaugenommen verlangt die Richtlinie 2000/60/EG jedoch, die Höhe der Wahrscheinlichkeit zu bestimmen, wenn sie zu beurteilen fordert, wie wahrscheinlich es sei, dass Wasserkörper die Bewirtschaftungsziele erreicht oder nicht. Dies wird besonders in den Ausführungen zum Grundwasser deutlich, nach denen die Wasserwirtschaftsverwaltung eigentlich zu beurteilen hat, wie hoch das Risiko ist, dass Grundwasserkörper die Bewirtschaftungsziele verfehlen. Die Wasserwirtschaftsverwaltung Mecklenburg-Vorpommerns beschränkt sich darauf, zu jedem Wasserkörper lediglich anzugeben, ob er wahrscheinlich die Bewirtschaftungsziele erreicht oder nicht. Angesichts der geschilderten Lage um Daten und Bewertungsverfahren wäre es abwegig, angeben zu wollen, der eine Wasserkörper erreiche die Bewirtschaftungsziele zum Beispiel mit 65 %iger, der andere Wasserkörper hingegen mit 85 %iger Wahrscheinlichkeit.

 

Es gilt ferner zu beachten, dass die Bewirtschaftungsziele erst 2015 zu erreichen sind. Wenn die Wasserrahmenrichtlinie fordert zu beurteilen, wie wahrscheinlich es ist, dass die Bewirtschaftungsziele erreicht werden, so heißt das: die Wasserwirtschaftsverwaltung muss einschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass die Bewirtschaftungsziele nicht heute, sondern 2015 erreicht werden.

 

Die Einschätzung des Zustandes ist allein dadurch, dass die maßgebenden Bewertungsverfahren vielfach fehlen, mit nicht unbeträchtlichen Unsicherheiten behaftet. Wenn darüber hinaus die Wasserwirtschaftsverwaltung nicht den heutigen wahrscheinlichen Zustand der Wasserkörper einschätzen soll, sondern über mehr als ein Jahrzehnt hinweg den wahrscheinlichen Zustand im Jahre 2015, führt die Arbeit der Wasserwirtschaftsverwaltung von der Basis der noch vertretbaren Abschätzung in das Reich der Spekulation. Es ist darum allgemeine Übereinstimmung in Deutschland, dass man mit der Bestandsaufnahme – und die Bezeichnung drückt es schon aus – nur den gegenwärtigen wahrscheinlichen Zustand der Wasserkörper einschätzt. Dieser gegenwärtige wahrscheinliche Zustand wird im Sinne der von der Wasserrahmenrichtlinie geforderten Voraussage unverändert für das Jahr 2015 angenommen. Da mit der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in das Wasserhaushaltsgesetz ein Verschlechterungsverbot gilt, der gegenwärtige Zustand der Wasserkörper sich mithin bis 2015 und darüber hinaus nicht verschlechtern darf, liegt man mit dieser Art der Voraussage für das Jahr 2015 auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

 

Zustands-einschätzung
Mecklenburg-Vorpommern ist ein gewässerreiches Land. Die Längen seiner Fließgewässer summieren sich auf 40.000 km – das entspricht der Länge des Erdumfanges. Es finden sich in diesem Land über 2.000 Seen mit einer Größe von mindestens einem Hektar und Tausende weiterer kleinerer Standgewässer. Alle diese Gewässer in der Bestandsaufnahme zu beschreiben und nach ihrem Zustand einzuschätzen, überstiege bei weitem die Möglichkeiten der mecklenburg-vorpommerschen Wasserwirtschaftsverwaltung. Daher beschränkt sich die Bestandsaufnahme der Oberflächengewässer auf die Gewässer, in denen Wasserkörper den Typisierungsanforderungen der Wasserrahmenrichtlinie unterliegen.

 

Grundlage der Beschreibung und der Zustandseinschätzung der Oberflächenwasserkörper ist die Typisierung. Die Richtlinie 2000/60/EG umreißt, wie Fließgewässer, Standgewässer und Küstengewässer zu typisieren sind. Sie gibt zwei „Systeme“ A und B vor, zwischen denen die Mitgliedstaaten die Wahl haben. Das System A ist in der Richtlinie abschließend beschrieben, das System B dagegen lässt den Mitgliedstaaten weitgehende Freiheiten, eine eigene Typologie zu entwickeln. Allerdings fordert die Richtlinie 2000/60/EG, dass eine Typologie nach System B zu keinen ungenaueren Unterscheidungen komme als das System A.

 

System A gibt für Standgewässer als einen wesentlichen Parameter der Typisierung die Standgewässergröße, gemessen an der Wasserfläche, vor und lässt die Typisierung bei einer Wasserfläche von fünfzig Hektar beginnen. Mit einer Typologie, die auf System A aufbaut, kann man mithin Wasserkörper in Standgewässern kleinerer Wasserfläche nicht typisieren. Eine Zusammenfassung benachbarter kleinerer Standgewässer zu einem Wasserkörper – dies mag die Richtlinie 2000/60/EG unter „Gruppierung“ verstehen –, um die Standgewässer formal unter die Typisierungsanforderungen der Wasserrahmenrichtlinie zu zwingen, wäre fachlich abwegig.

 

In Deutschland wird im Wesentlichen nach System B typisiert. Eine Typologie nach System B darf nicht ungenauer als eine nach System A sein, sie braucht aber auch nicht genauer zu sein. Tatsächlich ist die deutsche Typologie wesentlich differenzierter als das System A. Hinsichtlich der Größenuntergrenze ist man in Deutschland jedoch übereingekommen, bei einer Typologie nach System B den gleichen Wert anzusetzen, wie ihn die Wasserrahmenrichtlinie für System A vorgibt. Die deutsche Standgewässertypologie erfasst somit nur Wasserkörper in Standgewässern einer Wasserfläche von mindestens fünfzig Hektar und ist auf Wasserkörper in kleineren Standgewässern grundsätzlich nicht anwendbar. Wasserkörper in kleineren Standgewässern kann man mit einer solchen Typologie nicht typisieren, da man annehmen muss, dass sich in kleineren Standgewässern Lebensraumverhältnisse ausbilden, die sich wesentlich von denen größerer Standgewässer unterscheiden und sich daher von einer Typologie, die nur größere Standgewässer erfasst, nicht beschreiben lassen.

 

Mit der Typisierung legt man an einen Standgewässerkörper den Maßstab an, an dem man den Zustand des Standgewässerkörpers beurteilt. Denn mit der Typisierung ordnet man dem Standgewässerkörper Referenzbedingungen zu, an dem sich der tatsächliche Zustand nach dem Grad der Degradation bemisst. Ohne Typisierung lässt sich der Zustand eines Standgewässerkörpers nicht bestimmen. Wasserkörper in kleineren Standgewässern, die von der Typisierung ausgenommen sind, lassen sich folglich weder beschreiben noch in ihrem Zustand einschätzen.

 

Was für die Standgewässer gilt, gilt analog für die Fließgewässer. Nach System A sind erst Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet von mindestens 10 km² Größe zu typisieren. Auch diese Größenuntergrenze übernimmt die deutsche Fließgewässertypologie nach System B. Für die Küstengewässer dagegen nennt die Richtlinie 2000/60/EG keine Größenuntergrenze. Folglich müssen alle Küstengewässer in der Bestandsaufnahme typisiert und hinsichtlich ihres wahrscheinlichen Zustandes eingeschätzt werden. Grundwasser unterliegt nicht dem Erfordernis der Typisierung, von daher lassen sich keine Größenuntergrenzen aus der Richtlinie 2000/60/EG ableiten. Wie alle Küstengewässer ist somit auch alles Grundwasser hinsichtlich seines wahrscheinlichen Zustandes einzuschätzen.

 

Es nimmt sich widersprüchlich aus, wenn einerseits die Bewirtschaftungsziele der Wasserrahmenrichtlinie nach herrschender Meinung für alle Gewässer gelten, die Typisierungsanforderungen andererseits nur die Wasserkörper in einem Teil der Gewässer erfassen. Im Folgenden werden alle Gewässer, in denen Wasserkörper nach den Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie zu typisieren sind, sowie die Küstengewässer und das Grundwasser bis auf weiteres mit der Arbeitsbezeichnung wasserrahmenrichtlinienrelevante oder kurz: WRRL-relevante Gewässer belegt. Zu den WRRL-relevanten Gewässern gehören rund 7.800 km Fließgewässer mit Einzugsgebieten von mindestens 10 km² Größe, 175 Standgewässer mit mindestens 50 ha Wasserfläche, alle Küstengewässer und alles Grundwasser.

WRRL-relevante Fließ- und Standgewässer
in den Teilgebieten Mecklenburg-Vorpommerns

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In den folgenden Kapiteln sind die Arbeiten der mecklenburg-vorpommerschen Wasserwirtschaftsverwaltung zur Bestandsaufnahme der Gewässer bis zum Ende des Jahres 2004 erläutert. Die Kapitel sind gegliedert nach den Arten und Kategorien der Gewässer. Dies ist erforderlich, weil die Wasserrahmenrichtlinie grundsätzlich verschiedene Anforderungen an Oberflächengewässer und das Grundwasser stellt. Aber auch die Oberflächengewässerkategorien – die Fließgewässer, die Standgewässer und die Küstengewässer  – unterliegen letztlich so verschiedenen spezifischen Anforderungen, dass eine gesonderte Darstellung nötig ist. Die Bestandsaufnahme der jeweiligen Gewässerarten und -kategorien finden Sie in den Kapiteln „Fließgewässer“, „Standgewässer“, „Küstengewässer“ und „Grundwasser“.

 

WRRL-relevante Gewässer

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