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Diese Seite drucken ...Abflussregulierungen - Fortsetzung

Mit Wasserkraftanlagen lässt sich Strom ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe erzeugen. Allerdings wird durch Errichtung und Betrieb von Wasserkraftanlagen signifikant in die Fließeigenschaften eines Gewässers eingegriffen, denn Wasserkraftanlagen sind grundsätzlich mit einer Stauanlage, einem Wehr, verbunden. Entweder dient das Wehr unmittelbar zum Fließgewässeranstau, mit dem die für die Wasserkrafterzeugung erforderliche Fallhöhe hergestellt wird, oder aber es dient zur Ausleitung von Triebwasser in einem gesonderten Triebwasserweg – einem Graben oder einer Rohrleitung –, der das Triebwasser der Wasserkraftanlage zuführt. Im letzteren Falle wird das Triebwasser nach Durchlaufen der Turbine wieder in das Fließgewässer eingeleitet. Die Verringerung des Fließgewässerabflusses zwischen Triebwasserausleitungsstelle und -wiedereinleitungsstelle kann punktuell eine signifikante Änderung der Fließeigenschaften darstellen.

 

  Einlaufbauwerk des Wasserkraftwerkes Zülow, das im Nebenschluss zur Mildenitz betrieben wird

 

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Zu Wasserkraftanlagen erhob die Wasserwirtschaftsverwaltung unter anderem folgende Angaben:

 

  • Name der Wasserkraftanlage
  • Gewässer, an dem sich die Wasserkraftanlage befindet, samt Gewässerkennzahl
  • Anlagenstandort gemäß Gewässerstationierung
  • Rückstaulänge vor der Wasserkraftanlage oder dem Ausleitungswehr (Stationierung der Stauwurzel)
  • Absturzhöhe
  • mittlerer Abfluss des Fließgewässers
  • mittlere und maximale ausgeleitete Triebwassermenge
  • Länge der Ausleitungsstrecke

 

In der folgenden Karte ist die Lage der Wasserkraftanlagen in Mecklenburg-Vorpommern abgebildet.

 

Wasserkraftanlagen in Mecklenburg-Vorpommern


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Die Fließgewässer Mecklenburg-Vorpommerns haben nicht die Energiepotentiale wie beispielsweise die Flüsse und Ströme Mittel- und Süddeutschlands. Dennoch werden im Lande 22 Wasserkraftwerke betrieben. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Müritz-Elde-Wasserstraße, in der allein neun Kraftwerke vorhanden sind. Durch den Ausbau der Elde zur Binnenwasserstraße kam es durch die Begradigung zu erheblichen Gefällesprüngen, so dass mehrfach die Freiflut der Schleusen zur Wasserkraftgewinnung genutzt werden konnte. Die Wasserkraftwerke Mecklenburg-Vorpommerns haben eine Gesamtleistung von rund 2,5 MW, wovon allein das Kraftwerk in Zülow im Unterlauf der Mildenitz eine Spitzenleistung von 1,1 MW liefern kann.

 

Wasser-kraftanlagen
Zu Schöpfwerken erhob die Wasserwirtschaftsverwaltung unter anderem folgende Angaben:

 

  • Name des Schöpfwerkes
  • Gewässer, aus dem das Schöpfwerk schöpft, samt Gewässerkennzahl
  • Anlagenstandort (Rechts- und Hochwert)
  • mittlere Fördermenge im Jahr
  • Schaltpeile (Wasserstände, nach denen sich der Schöpfwerksbetrieb regelt)
  • Einzugsgebietsfläche des Schöpfwerkes
  • Polderfläche des Schöpfwerkes

 

In der folgenden Karte sind die Schöpfwerke dargestellt, die unmittelbar in Fließgewässer schöpfen. Abgebildet sind auch die zugehörigen Polderflächen. Neben diesen Schöpfwerken gibt es eine große Zahl an Schöpfwerken, die unmittelbar oder mittelbar in Stand- oder Küstengewässer schöpfen; auf sie gehen die Kapitel „punktuelle Standgewässerbelastungen“ und „punktuelle Küstengewässerbelastungen“ ein. Zu den mittelbar in Stand- oder Küstengewässer fördernden Schöpfwerken werden auch Schöpfwerke gerechnet, die zwar unmittelbar in ein Fließgewässer schöpfen, deren geschöpftes Wasser aber bereits nach kurzer Fließstrecke in ein Stand- oder Küstengewässer gelangt.

 

Unmittelbar in Fließgewässer fördernde
Schöpfwerke in Mecklenburg-Vorpommern


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Im Jahre 2001 schöpfen in Mecklenburg-Vorpommern 242 Schöpfwerke unmittelbar in Fließgewässer; die gesamte Polderfläche beträgt rund 620 km². Eine Vielzahl von Schöpfwerken werden in der Lewitz und in den Niederungen von Warnow, Peene und Uecker betrieben. Zu erwähnen ist aber, dass in den letzten Jahren eine große Zahl von Schöpfwerken stillgelegt worden ist, weil der auf den Poldern erzielte landwirtschaftliche Ertrag in keinem Verhältnis mehr zum Energieeinsatz beim Pumpbetrieb stand. Einen Sonderfall von Poldern stellen die Hochwasserschutzpolder an der Elbe dar, die bei Elbhochwasser mittels Schöpfwerksbetrieb nach vorgegebenen Einstauzielen freigehalten werden.

 

Schöpfwerke
Zu den übrigen in Mecklenburg-Vorpommern vorkommenden Abflussregulierungen wie Talsperren, Speichern, Schleusen und Eindeichungen erhob die Wasserwirtschaftsverwaltung unter anderem folgende Angaben:

 

  • Name der Anlage, Ortsbezeichnung
  • Art der Anlage
  • Name des Gewässers, an dem sich die Anlage befindet, samt Gewässerkennzahl
  • Anlagenstandort gemäß Gewässerstationierung
  • Angaben, die die Art der Belastung beschreiben, die von der Anlage ausgeht (Stauhöhe, Rückstau, Eindeichungslänge usw.)

 

Die untenstehende Karte zeigt die in Mecklenburg-Vorpommern vorkommenden sonstigen abflussregulierenden Bauwerke an WRRL-relevanten Fließgewässern. Es gibt in diesem Lande, obwohl landschaftlich dazu nicht gerade prädestiniert, immerhin zwei Talsperren und zwei Speicher. Die Talsperre Farpen, etwa 10 km nordöstlich von Wismar, staut den Farpener Bach an; sie hat eine Fläche von 63,1 ha und fasst ein Wasservolumen von nahezu 800.000 m³. Die Talsperre Brohm liegt rund 25 km östlich von Neubrandenburg. Sie staut den Golmer Mühlbach, hat eine Fläche von 33 ha und fasst maximal 1,2 Mio. km³. Die Talsperren wurden für die Zwecke landwirtschaftlicher Bewässerung errichtet. Als Speicher werden geführt der Andershofer Teich bei Stralsund mit einer Fläche von 21,9 ha und einem Wasservolumen von rund 700.000 m³ sowie der Speicher Kemnitzerhagen, 10 km östlich von Greifswald. Der Speicher Kemnitzerhagen diente seinerzeit der Brauchwasserversorgung des Kernkraftwerkes Lubmin.

 

Sonstige abflussregulierende Bauwerke
an den WRRL-relevanten Fließgewässern
Mecklenburg-Vorpommerns


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Als weitere abflussregulierende Bauwerke existieren in Mecklenburg-Vorpommern 28 Schleusen. Schleusen sind Schiffahrtsbauwerke, mit denen an in der Regel künstlich geschaffenen Gefällestufen Schiffe von Ober- zu Unterwasser gesenkt oder umgekehrt gehoben werden. Diese Bauwerke finden sich nur in dem kleinen Teil der für die Schiffahrt zugänglichen Fließgewässer, vornehmlich in der Elde-Müritz-Wasserstraße. Die Elde-Müritz-Wasserstraße ist Bundeswasserstraße und wird samt den der Schiffahrt dienenden Bauwerken von der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes unterhalten.

 

  Plauer Schleuse in der Elde-Müritz-Wasserstraße am Ablauf des Plauer Sees

 

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Flussdeiche zum Hochwasserschutz sind in Mecklenburg-Vorpommern verhältnismäßig selten. Sie konzentrieren sich auf die Elde-Müritz- und Stör-Wasserstraße, die Elbe bei Dömitz und Boizenburg sowie einige Strecken von Warnow, Trebel und Peene. Insgesamt nehmen die Deiche eine Länge von rund 350 km ein, dies entspricht etwa 4,5 % der WRRL-relevanten Fließgewässerlänge.

 

sonstige Abfluss-regulierungen

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